Angebliche Nähe zur Gülen-Bewegung Türkei-Chef von Amnesty International verhaftet

Offenbar wegen angeblicher Kontakte zur Gülen-Bewegung ist der Türkei-Chef von Amnesty International inhaftiert worden. Die Menschenrechtsorganisation protestiert gegen die Festnahme.


Der Türkei-Chef von Amnesty International ist nach Angaben der Menschenrechtsorganisation festgenommen worden. Demnach wurde der Haftbefehl gegen Taner Kilic am Dienstagmorgen in seinem Haus in der Küstenstadt Izmir vollstreckt. Hintergrund seien Ermittlungen gegen mutmaßliche Mitglieder der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich.

Kilic wurde den Angaben zufolge zusammen mit 22 Anwälten festgenommen. Zudem seien sein Haus und Büro durchsucht worden. Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sagte, es gebe derzeit aber keinen Hinweis darauf, dass die Festnahme von Kilic im Zusammenhang mit seiner Arbeit für die Organisation stehe. Auch sehe es nicht nach einem speziellen Vorgehen gegen Amnesty aus. Es sei unklar, weshalb Kilic verdächtigt werde, Verbindungen zum Gülen-Netzwerk zu haben. Laut der Zeitung "Hürriyet" wird den Festgenommenen die Nutzung einer Messenger-App vorgeworfen, die nach Darstellung der Regierung unter Gülen-Anhängern beliebt ist.

"In Ermangelung glaubwürdiger und zulässiger Beweise für Verstrickungen in international anerkannte Verbrechen rufen wir die türkischen Behörden auf, Kilic und die 22 anderen Anwälte sofort freizulassen und alle Vorwürfe gegen sie fallenzulassen", teilte Amnesty International mit. Generalsekretär Shetty sagte: "Die Tatsache, dass die türkische Säuberungskampagne nach dem Putsch nun auch den Vorsitzenden von Amnesty International in der Türkei in ihren Strudel gezogen hat, zeigt einmal mehr, wie weitreichend und willkürlich diese Kampagne geworden ist.". Kilic verteidige seit Jahren "genau jene Freiheiten, welche die türkischen Behörden jetzt zertrampeln".

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei sitzen inzwischen mehr als 50.000 Verdächtige wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung in Untersuchungshaft. Rund 150.000 Menschen aus meist öffentlichen Ämtern wurden bislang entlassen.

max/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.