Deutsche verurteilt Sechs Jahre Haft wegen Gülen-Verbindungen

In zweiter Instanz wurde in der Türkei eine Deutsche zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt - wegen angeblichen Verbindungen zu einer terroristischen Vereinigung. Zurzeit sitzen 56 Deutsche in türkischer Haft.

Türkische Flagge: Wer der Gülen-Bewegung nahesteht, gilt in der Türkei als terrorverdächtig
Cem Turkel/ EPA/ REX/ Shutterstock

Türkische Flagge: Wer der Gülen-Bewegung nahesteht, gilt in der Türkei als terrorverdächtig


Eine Deutsche ist in der Türkei wegen Terrorvorwürfen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, berichtet der Rechercheverbund von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung". Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau sich wegen ihrer Verbindungen zur Gülen-Bewegung strafbar gemacht habe. Die 51-Jährige wurde demnach zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Die Frau, berichten die ARD-Sender, habe türkische Wurzeln, besitze jedoch ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie war 2013 in die Türkei gezogen, nachdem sie rund 20 Jahre in Südwestdeutschland gelebt habe.

Den Berichten zufolge wurde ihr unter anderem zur Last gelegt, eine mit der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen verbundene Frauengruppe organisiert zu haben. Zudem soll sie an einem Treffen der Gülen-Bewegung teilgenommen haben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht seinen im US-Exil lebenden Erzfeind für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich.

"Dem Auswärtigen Amt ist der Fall bekannt, wir beobachten ihn aufmerksam", hieß es am Samstag aus dem Außenministerium in Berlin. Weitere Angaben machte das Ministerium unter Verweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht. Bekannt ist aber, dass sich bereits 2017 Vertreter der Bundesregierung für die Freilassung der Frau eingesetzt hatten.

Die 51-Jährige, die den Berichten zufolge seit 2013 in der Türkei lebt, war die erste Deutsche, die nach dem gescheiterten Putsch vor gut drei Jahren festgenommen worden war. Knapp zwei Wochen nach ihrer Festnahme kam sie auf freien Fuß. Sie wurde jedoch mit einem Ausreiseverbot belegt. 2017 begann dann der Prozess gegen die Deutsche, in dem sie Ende 2018 schuldig gesprochen wurde. Das Urteil wurde nun in der nächsten Instanz bestätigt.

Nach Informationen des Auswärtigen Amtes befinden sich zurzeit 56 deutsche Staatsbürger in türkischer Haft. Weitere 37 seien auf freiem Fuß, dürften das Land jedoch nicht verlassen.

AP/pat

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