Türkei Deutscher Botschafter in Ankara einbestellt

Der abgesagte Auftritt des türkischen Justizministers in Gaggenau hat ein diplomatisches Nachspiel. Das Außenministerium in Ankara hat den deutschen Botschafter einbestellt.

Deutsche Botschaft in Ankara
AP

Deutsche Botschaft in Ankara


Das türkische Außenministerium hat den deutschen Botschafter in Ankara einbestellt. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Grund für die Einbestellung von Botschafter Martin Erdmann sei der abgesagte Auftritt des türkischen Justizministers Bekir Bozdag im baden-württembergischen Gaggenau.

Die Stadt hatte die für Donnerstagabend geplante Veranstaltung aus Sicherheitsbedenken kurzfristig abgesagt. Die Halle, Parkplätze und Zufahrten reichten nicht für den erwarteten Besucherandrang aus, deshalb sei die Zulassung widerrufen worden, begründete der Bürgermeister Michael Pfeiffer die Entscheidung. "Wir gehen davon aus, dass die Situation zu gefährlich werden könnte", sagte er.

Minister Bozdag wollte bei der Veranstaltung eigentlich für ein "Ja" bei der Volksabstimmung über das von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem werben. Auf die Absage der Veranstaltung reagierte er empört. Nach SPIEGEL-Informationen ging er nicht juristisch gegen die Entscheidung vor. Stattdessen sagte er seine komplette Deutschlandreise ab und wollte direkt von Straßburg in die Türkei zurückfliegen.

Spannungen zwischen Berlin und Ankara nehmen zu

Auch der für Sonntag in Köln geplante Auftritt des türkischen Wirtschaftsministers Nihat Zeybekci könnte platzen. Die Stadt Köln lehnte eine Anfrage für eine Veranstaltung im Bezirksrathaus Köln-Porz ab. "Es gibt keinen Mietvertrag für diese Veranstaltung am 5. März, und es wird auch keinen geben", sagte eine Sprecherin.

Zeybekci will einem Zeitungsbericht zufolge nun am Sonntag eine Veranstaltung eines türkischen Kulturvereins im Forum Leverkusen besuchen, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" online unter Berufung auf das türkische Generalkonsulat.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara sind derzeit wegen der Inhaftierung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel in Istanbul belastet. Nach einem Treffen mit dem Generalsekretär des Europarats in Straßburg hatte Bozdag am Mittwoch auf die Frage nach einer Freilassung von Yücel auf die Unabhängigkeit der türkischen Gerichte verwiesen. Der Korrespondent sitzt in der Türkei in Untersuchungshaft. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen.

Ein Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas ließ der türkische Justizminister am Donnerstagabend ebenfalls ausfallen. Maas hatte mit Bozdag über die Inhaftierung von Yücel sprechen wollen.

brk/dpa/Reuters



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