Türkei Dutzende Tote bei Kämpfen in abgeriegelter Stadt Cizre

Die türkische Regierung meldet Erfolge gegen die PKK in Cizre, angeblich wurden mehr als 30 Kämpfer getötet. Die Oppositionspartei HDP zeichnet ein anderes Bild der Lage, die Armee verweigert Beobachtern den Zugang zum Ort.

Soldat außerhalb von Cizre: Die türkische Armee riegelt die Stadt ab
AFP

Soldat außerhalb von Cizre: Die türkische Armee riegelt die Stadt ab


Die Stadt Cizre im Südosten der Türkei ist seit Tagen abgeriegelt. Die Armee hat den mehrheitlich von Kurden bewohnten Ort gestürmt, Informationen über die Lage der rund 120.000 Einwohner gelangen nur spärlich nach außen.

Die Regierung in Ankara hat nun eine erste Zwischenbilanz der Militäroperation gezogen. Bis zu 32 militante Kurden und ein Zivilist seien getötet worden, seit die Ausgangssperre am vergangenen Freitag verhängt wurde, sagte Innenminister Selami Altinok. Zudem hätten Soldaten 800 Kilogramm Sprengstoff unschädlich gemacht und mehrere Mitglieder einer Terrororganisation festgenommen.

Die prokurdische Oppositionspartei HDP sprach von 21 getöteten Zivilisten, unter ihnen Kinder. Die Bewohner von Cizre würden nicht ausreichend mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Elektrizität versorgt, kritisiert die Partei. Videobilder aus der Stadt zeigen verlassene Straßen und die Spuren von Kämpfen.

Spitzenpolitiker der HDP wollten am Donnerstag die Militärsperre rund um Cizre friedlich durchbrechen, die Sicherheitskräfte hielten die Demonstranten allerdings auf.

"Wir verlangen die Aufhebung dieser illegal errichteten Blockade. Die Ausgangssperre soll beendet werden," sagte HDP-Chef Selahattin Demirtas. "120.000 Menschen werden dort seit einer Woche als Geiseln genommen." Leichen von Jungen und Mädchen, die ins Kreuzfeuer geraten seien, dürften nicht beerdigt werden.

Die Regierung behauptet, sie halte die Politiker zu ihrem eigenen Schutz aus der Stadt in der Nähe der syrischen Grenze fern. "Um ihre Sicherheit und Ruhe zu garantieren dürfen sie keinesfalls nach Cizre reinkommen. Das werden wir nicht zulassen," sagte Innenminister Altinok.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat der HDP wiederholt eine Verbindung zur illegalen PKK unterstellt. "Wer auf der Seite der Terroristen ist, muss den Preis dafür zahlen," sagte Erdogan nach einem Treffen mit dem EU-Ratspräsidenten Donald Tusk - vermutlich mit Bezug auf die HDP. Erdogan warf Demirtas zudem vor, "die Sprache der Terroristen" zu benutzen.

In den vergangenen Tagen war es bei Protesten türkischer Nationalisten gegen die PKK landesweit zu massiven Ausschreitungen gekommen. Kurdische Bürger und Geschäfte wurden Ziel von Gewalttaten, ebenso die Redaktion der regierungskritischen Zeitung "Hürriyet".

syd/dpa/Reuters/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.