Türkei Erdogan will muslimische Entdeckung Amerikas in Schulbüchern sehen

Der türkische Präsident geht mit einer eigenwilligen Version der Weltgeschichte hausieren: Nicht Columbus habe Amerika entdeckt - sondern Muslime. Geht es nach Erdogan, sollen sogar Schulbücher entsprechend geändert werden.
Türkischer Präsident Erdogan: Hadert mit der Geschichtsschreibung

Türkischer Präsident Erdogan: Hadert mit der Geschichtsschreibung

Foto: POOL/ REUTERS

Berlin/Ankara - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält an seiner Aussage fest, dass Amerika von muslimischen Seefahrern entdeckt worden sei. "Das ist nicht meine eigene Behauptung", sagte Erdogan bei der Eröffnung einer Schule in Ankara am Dienstag. "In der Türkei und der Welt sehen das viele renommierte Gelehrte so." Kritikern warf er vor, Muslimen nicht zuzutrauen, dass sie Amerika hätten entdecken können.

Erdogan würde sogar so weit gehen, die Weltgeschichte in Schulbüchern umschreiben zu lassen. In dieser Angelegenheit trage das Bildungsministerium eine "hohe Verantwortung", sagte Erdogan weiter. Der Beitrag des Islam zur Geografie sei "weit größer als allgemein bekannt", unterstrich Erdogan.

Der Staatspräsident hatte am Samstag bei einem Gipfel mit Muslimen aus Lateinamerika in Istanbul gesagt, muslimische Seefahrer hätten Amerika im Jahr 1178 und damit 314 Jahre vor Christoph Columbus entdeckt. Beleg dafür sei eine Moschee auf einem Berggipfel Kubas, die Columbus in seinen Erinnerungen erwähnt habe.

Die Geschichtsschreibung rechnet dem Genuesen Columbus die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 zu. Der Seefahrer wollte mit seiner Flotte einen westlichen Seeweg von Europa nach Indien finden. Dabei entdeckte er zufällig: Amerika. So steht es in Geschichtsbüchern weltweit, Historiker sind sich über diese Begebenheit einig. Erdogans Aussagen hatten daher im In- und Ausland kontroverse Diskussionen ausgelöst und zum Teil spöttische Kritik hervorgerufen.

Die Idee der Moschee hatte der Historiker Youssef Mroueh bereits 1996 in einem umstrittenen Artikel kundgetan. Seine Kollegen weltweit interpretieren den Tagebucheintrag von Columbus jedoch anders - nach ihrer Auffassung nutzte Columbus die Moschee nur als bildhaften Vergleich zur Beschreibung einer Hügelkette auf Kuba.

amz/AFP/Reuters/dpa