Türkei Erdogan entschuldigt sich erstmals für Massaker an Kurden

Auf einen solchen Schritt haben die Kurden lange gewartet: Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat sich zum ersten Mal offiziell für das Töten von rund 14.000 Kurden in den dreißiger Jahren entschuldigt.
Türkischer Premier Erdogan: "Ich entschuldige mich"

Türkischer Premier Erdogan: "Ich entschuldige mich"

Foto: ADEM ALTAN/ AFP

Ankara - Es ist ein erster Schritt: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich für die Tötung von 13.806 Kurden entschuldigt. "Wenn eine Entschuldigung im Namen des Staats nötig ist...würde ich mich entschuldigen und ich entschuldige mich", sagte der Regierungschef am Mittwoch.

Die Menschen waren zwischen 1936 und 1939 in der heutigen Stadt Tunceli im Südosten der Türkei getötet worden. Damals führte die Regierung eine Militärkampagne zur Niederschlagung eines kurdischen Aufstands aus.

Der Oppositionsführers Kemal Kiliçdaroglu hatte zuvor gefordert, die Türkei müsse sich ihrer Vergangenheit stellen. Seine Familie war damals in Tunceli getötet worden. Erdogan sagte aber auch, dass Kiliçdaroglu sich ebenfalls entschuldigen müsse, da seine Republikanische Volkspartei zu der Zeit an der Macht gewesen sei.

Immer wieder kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen türkischen Sicherheitskräften und Kämpfern der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), vor allem im türkisch-irakischen Grenzgebiet. Die Kurden kämpfen für Unabhängigkeit oder größere Autonomie ihrer Gebiete in der Türkei. Zuletzt töteten PKK-Kämpfer im Oktober mehr als 20 türkische Soldaten und Polizisten, die Türkei reagierte mit einem massiven Gegenschlag.

Seit 1984 fielen dem Konflikt Zehntausende Menschen zum Opfer. Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Die EU fordert von ihrem Beitrittskandidaten Türkei, den Kurden mehr Rechte zu geben.

Derzeit sitzen über 4000 kurdische Politiker, darunter viele Bürgermeister und Kommunalpolitiker, meist unter dem Vorwurf der Unterstützung der PKK in Untersuchungshaft.

heb/dapd/AFP
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