Türkei Erdogan erwägt Rücknahme des EU-Beitrittsgesuchs

Der türkische Regierungschef Erdogan will sich in der Debatte um die EU-Beitrittsgespräche nicht weiter unter Druck setzen lassen. Er werde das Gesuch zurückziehen, falls die EU neue Bedingungen stellt oder Alternativen zur vollen Mitgliedschaft vorschlägt.

Neapel - Die Türkei habe alles getan, was für einen Beginn der Beitrittsgespräche notwendig sei, sagte Ministerpräsident Tayyip Erdogan heute mit Blick auf den geplanten Starttermin der Verhandlungen am 3. Oktober. Alles sei schriftlich niedergelegt. "Es kommt nicht in Betracht, neue Entwicklungen zu akzeptieren", sagte Erdogan am Flughafen von Ankara. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte dem Magazin "The Economist": "Sollte die EU etwas anderes als eine volle Mitgliedschaft anbieten oder neue Forderungen stellen, werden wir gehen." "Wir haben uns an unsere Seite des Abkommens gehalten, die EU sollte sich an ihre halten." Ein Rückzug werde dann endgültig sein.

Der Streit entzündet sich an einem von der Türkei Ende Juli unterzeichneten Zusatzprotokoll, mit dem der Geltungsbereich der Zollunion auf die zehn der EU im vergangenen Jahr beigetretenen Staaten ausgeweitet wird, darunter auch auf Zypern. Die türkische Regierung gab bei der Unterzeichnung des Protokolls allerdings eine einseitige Erklärung ab, wonach Zypern weiter solange nicht anerkannt werde, bis eine Lösung für die geteilte Insel gefunden sei.