Warnung an Assad Türkei schickt Kampfjets gegen syrische Helikopter

Die türkische Armee hat an der syrischen Grenze F-16-Kampfflugzeuge aufsteigen lassen. Offenbar sollen sie Hubschrauber des Nachbarlandes vom eigenen Luftraum fernhalten. Premier Erdogans Botschaft an das Assad-Regime: Ankara ist ohne Zögern bereit, Gewalt einzusetzen.
Türkischer Premier Erdogan: Erbitterter Gegner des Assad-Regimes

Türkischer Premier Erdogan: Erbitterter Gegner des Assad-Regimes

Foto: ADEM ALTAN/ AFP

Ankara - Es ist eine deutliche Demonstration der Stärke: Die türkische Armee hat am Wochenende gleich dreimal Alarm ausgerufen und Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen lassen, die sich der türkischen Grenze genähert hatten.

Wie der türkische Generalstab am Sonntagabend bekanntgab, seien in zwei Fällen Kampfjets von der Nato-Basis im südtürkischen Incirlik aufgestiegen, in einem weiteren Fall vom Luftwaffenstützpunkt in Batman. Insgesamt sechs Flugzeuge vom Typ F-16 seien beteiligt gewesen. Es habe sich um Kontrollflüge gehandelt, keiner der syrischen Hubschrauber sei in den türkischen Luftraum eingedrungen.

Vor gut einer Woche hatte Syrien einen türkischen Kampfjet abgeschossen. In der Folge drohte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan, einer der schärfsten Kritiker Syriens, dem Nachbarland bei weiteren Zwischenfällen mit Gewalt. Ankara werde Provokationen nicht ignorieren und auf alle Gesetzesverletzungen an den türkischen Grenzen reagieren. Jede syrische Truppeneinheit, die sich der Grenze nähere, werde ab sofort als militärisches Ziel gewertet und bekämpft.

Einst verbündet, jetzt verfeindet

Um zu signalisieren, wie ernst es ihm damit ist, hat Erdogan Truppen an der Grenze zum Nachbarland zusammengezogen, in dem die Regierung seit mehr als 16 Monaten mit aller Härte gegen einen Volksaufstand vorgeht. Die Türkei bietet mehr als 33.000 syrischen Flüchtlingen sowie Rebellen der Freien Syrischen Armee Unterschlupf.

Am Donnerstag hatte die türkische Regierung bestätigt, dass in der Provinz Hatay Flugabwehrwaffen stationiert werden - als Vorsichtsmaßnahme. Syrien sei jedoch über anstehende Truppenbewegungen an der Grenze informiert worden. Die private Nachrichtenagentur Dogan zeigte Aufnahmen eines Militärkonvois, darunter ein Raketenwerfer, der in Richtung syrische Grenze fuhr.

Durch den Abschuss der F-4 "Phantom" am 22. Juni haben sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den einstigen Verbündeten Syrien und Türkei weiter verschlechtert. Türkische Stellen räumten zwar ein, dass das Flugzeug irrtümlich in syrischen Luftraum eingedrungen sei. Sie betonen aber, dass es diesen nach einer Warnung wieder verlassen habe und in internationalem Luftraum abgeschossen worden sei. Außerdem soll Syrien nach Darstellung Ankaras auf ein türkisches Rettungsflugzeug geschossen haben, das nach dem Absturz des Kampfjets ausgeschickt worden sei.

Syrische Opposition bitter enttäuscht

Nach syrischer Darstellung war der Abschuss ein Unfall, der von einer "automatischen Reaktion" eines Befehlshabers einer Luftabwehrstellung verursacht worden sei, der ein nicht identifiziertes Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit auf geringer Höhe gesehen habe.

Erdogan hatte sich bereits kurz nach Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad und an die Seite der syrischen Oppositionellen gestellt. Im vergangenen Jahr rief er den Diktator zum freiwilligen Rücktritt auf, am Dienstag vergangener Woche forderte er den Sturz des Regimes "mit allen nötigen Mitteln".

Ob es dazu kommen wird, ist derzeit fraglich. Die Aktionsgruppe für Syrien, in der die fünf Uno-Vetomächte, arabische Staaten und die EU vertreten sind, hat am Wochenende in Genf ein Grundsatzpapier verabschiedet. Es sieht eine Übergangsregierung der nationalen Einheit vor, die Mitglieder der Assad-Administration, der Opposition und anderer Gruppen umfassen kann und die die Ausarbeitung einer neuen Verfassung vorantreiben sowie Wahlen überwachen soll.

Auf Druck Russlands wurde in dem Papier aber offen gelassen, ob Assad Teil der Übergangsregierung werden soll oder nicht. Die syrische Opposition wies den Plan als Zeitverschwendung zurück. Zwei Tage nach der Konferenz der Aktionsgruppe kommen Vertreter der Oppositionsgruppen am Montag in Kairo zusammen.

tdo/dpa/dapd
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