Proteste in der Türkei Erdogan ruft Anhänger zu Gegendemos auf

Seine Kritiker seien "Vandalen", die Grenze seiner Geduld erreicht: Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat in einer Rede Härte gegen die Protestierenden gezeigt. Seine Unterstützer rief er dazu auf, in Ankara und Istanbul ihrerseits auf die Straße zu gehen.
Umjubelt und umstritten: Erdogan spricht in Ankara zu seinen Unterstützern.

Umjubelt und umstritten: Erdogan spricht in Ankara zu seinen Unterstützern.

Foto: UMIT BEKTAS/ REUTERS

Ankara - "Sind Sie bereit?", ruft der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seinen Anhängern zu. Am Samstag soll es wieder eine Demonstration in Ankara geben, seit Tagen reißen dort die Proteste gegen die Regierung nicht ab. Doch am kommenden Wochenende sollen nicht seine Kritiker, sondern Unterstützer auf die Straße ziehen. "Am nächsten Tag treffen wir uns dann in Istanbul", verkündet Erdogan weiter, das Publikum jubelt ihm zu.

Während der Ministerpräsident seine Anhänger mobilisiert, bekommen seine Gegner nur wenige Kilometer entfernt die Strenge der Sicherheitskräfte zu spüren: Erneut geht die Polizei am Sonntagabend mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Protestierenden in Ankara vor, mehrere Menschen sollen schon verletzt worden sein.

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Demonstranten in Istanbul: Erdogans Gegner, Erdogans Fans

Foto: SPIEGEL ONLINE

Hoffnungen, Erdogan rücke von seinem harten Kurs ab, erteilte der Politiker in seiner Ansprache indirekt erneut eine Absage. Die Protestierenden bezeichnete er darin als "Vandalen" und "Anarchisten", die Geduld seiner Regierung habe eine Grenze, sagte Erdogan in Ankara vor tausenden jubelnden Unterstützern. Die hatte er kurz vorher bei einem Besuch der südlichen Stadt Adana noch dazu aufgefordert, seinen Kritikern bei den Kommunalwahlen 2014 eine "Lektion" zu erteilen.

Die Protestwelle gegen die türkische Regierung hatte am Freitag vergangener Woche nach einer gewaltsamen Polizeiaktion gegen Demonstranten begonnen, die ein Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park verhindern wollten. Seitdem weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus und wandten sich zunehmend gegen Erdogan, dem die Demonstranten einen autoritären Regierungsstil vorwerfen. Laut türkischer Ärztevereinigung wurden bislang drei Menschen getötet und fast 4800 verletzt.

vks/Reuters/dpa
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