Angriff auf "Mavi Marmara" Türkisches Gericht erlässt Haftbefehl gegen israelische Generäle

Ein Gericht in der Türkei hat Haftbefehl gegen vier israelische Ex-Generäle erlassen. Sie sollen für den Tod von zehn Menschen beim Angriff auf die Gaza-Flotille vor vier Jahren verantwortlich gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft.

Schiff "Mavi Marmara": Belastung für die türkisch-israelischen Beziehungen
AP

Schiff "Mavi Marmara": Belastung für die türkisch-israelischen Beziehungen


Istanbul - Ein Gericht in Istanbul will vier ehemalige israelische Generäle verhaften lassen. Die Richter haben bei der internationalen Polizeibehörde einen entsprechenden Haftbefehl beantragt.

Das Gericht traf die Entscheidung in einem Prozess wegen des Todes von zehn türkischen Aktivisten bei einem Angriff israelischer Soldaten auf das Schiff "Mavi Marmara" im Jahr 2010. Die Anträge betreffen den früheren israelischen Generalstabschef Gaby Aschkenazi, den ehemaligen Marine-Chef Eliezer Marom sowie den früheren Leiter des Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, und dessen Kollegen Avishai Levy vom Luftwaffen-Geheimdienst. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft wegen Totschlags, Freiheitsberaubung und Plünderei. Seit 2012 wird in Abwesenheit gegen die Militärs verhandelt.

Sollte Interpol dem türkischen Antrag folgen, droht den Gesuchten in jedem Interpol-Mitgliedsland die Verhaftung.

Türkei und Israel wollen Beziehungen normalisieren

Bei dem Angriff am 31. Mai 2010 auf die "Mavi Marmara", die zu einer Hilfsflotte für den Gaza-Streifen gehörte, starben neun Aktivisten; ein weiterer erlag vergangene Woche nach fast vier Jahren im Koma seinen Verletzungen.

Nach dem Vorfall hatte die Türkei den israelischen Botschafter des Landes verwiesen und die Beziehungen zu Israel auf ein Minimum reduziert. Ende April erklärte die türkische Regierung jedoch, sie stehe kurz vor einer Einigung mit Israel auf eine Normalisierung der Beziehungen.

Nach Presseberichten ist ein Ende des Istanbuler Prozesses gegen die vier israelischen Ex-Kommandeure ein Bestandteil der erwarteten Einigung. Außerdem soll Israel die Zahlung von 20 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen in Aussicht gestellt haben. Anwälte der Opfer-Familien schlossen einen Verzicht auf die Anklagen am Montag jedoch aus.

syd/AFP/dpa



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