Neuer türkischer Militärstützpunkt in Katar Kampfansage an den Kronprinzen

Die Türkei baut ihre Militärpräsenz in Katar aus. Künftig könnte Ankara bis zu 5000 Soldaten in dem Emirat stationieren. Die neue Armeebasis ist eine Provokation für Saudi-Arabien.
Staatschefs Erdogan und Tamim (2017): Die Türkei und Katar kooperieren immer enger

Staatschefs Erdogan und Tamim (2017): Die Türkei und Katar kooperieren immer enger

Foto: Presidency Press Service via AP, Pool

Seit 800 Tagen blockieren Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und einige arabische Verbündete den Golfstaat Katar. Treibende Kraft dahinter ist der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS). Er hat die Beendigung des Boykotts an mehrere Forderungen geknüpft. Eine davon: die Schließung des 2016 eröffneten türkischen Militärstützpunkts in Katar.

Katars Emir Tamim bin Hamad lehnt diese Forderung ab. Stattdessen wird er noch im Herbst im Beisein von Recep Tayyip Erdogan eine zweite türkische Militärbasis in Katar eröffnen. Das hat die Erdogan-nahe türkische Zeitung "Hürriyet" am Mittwoch berichtet.

Derzeit sind etwa 3000 türkische Soldaten in der katarischen Wüste stationiert. Wie viele es künftig sein werden, wollte die "Hürriyet"-Journalistin Hande Firat nicht verraten, nur so viel: "Ich kann sagen, dass es eine drastische Zahl sein wird." Quellen in Katar gehen davon aus, dass künftig bis zu 5000 türkische Militärangehörige dauerhaft in das Emirat entsandt werden könnten.

Ankara ist Dohas wichtigster Partner in der Region

Mit dem Ausbau der türkischen Armeepräsenz setzen die Regierungen in Doha und Ankara deutliche Zeichen:

  • Erdogan demonstriert, dass er trotz seines schwindenden Rückhalts und der Wirtschaftskrise in der Türkei an seinen Plänen festhält, den Einfluss seines Landes im Nahen Osten auszubauen. Zugleich soll die zweite Militärbasis türkische Wirtschaftsinteressen im Falle einer weiteren Eskalation der Irankrise am Persischen Golf sichern.
  • Emir Tamim zeigt, dass die von Saudi-Arabien initiierte Blockade keinen Einfluss auf seine Politik hat. Weder macht er Anstalten, den in Doha ansässigen Nachrichtensender Al Jazeera zu schließen, wie von Riad gefordert. Noch will er sein Bündnis mit Erdogan aufkündigen.

Im Gegenteil: Katar und die Türkei haben seit dem Beginn der Blockade im Juni 2017 ihre politische, wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit kontinuierlich ausgebaut. Ankara ist der wichtigste Partner des isolierten Golfemirats in der Region geworden.

Mohammed bin Salman: Affront für den Kronprinz

Mohammed bin Salman: Affront für den Kronprinz

Foto: Bandar Algaloud/ REUTERS/ Saudi Royal Court

Im Dezember 2017 eröffneten beide Armeen ein gemeinsames Kommandozentrum in Katar. Beide Staaten mischen aktiv in den Krisenländern Somalia und Libyen mit und unterstützen dort verschiedene Milizen. Erst in der vergangenen Woche absolvierten beide Streitkräfte eine gemeinsame Militärübung in der Türkei.

Hinzu kommt wachsender Tourismus: Nach Angaben Ankaras besuchten in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr als 30.000 katarische Staatsbürger die Türkei. Damit reiste statistisch in diesem Zeitraum jeder zehnte Katarer in das Land.

Die Monarchen in Marokko und Jordanien rücken von Saudi-Arabien ab

Mohammed bin Salman dürfte diese Entwicklung als Affront betrachten: Er bezichtigt die Regierungen in Ankara und Doha, an der Spitze einer Allianz mit den Muslimbrüdern zu stehen. Diese verfolge das Ziel, die Regime in möglichst vielen arabischen Staaten zu stürzen und islamistische Systeme zu errichten. Die Herrscherhäuser in Saudi-Arabien und den VAE setzen hingegen auf das, was sie Stabilität nennen: Unterstützung für repressive Regime - derzeit etwa zu beobachten anhand ihres Rückhalts für das Militär im Machtkampf im Sudan.

Tatsächlich sehen viele arabische Regierungen die Außenpolitik von Erdogan und Tamim seit Jahren mit einiger Besorgnis. Zugleich aber halten sie das Vorgehen des saudischen Thronfolgers, der an Maximalforderungen gegenüber Katar festhält, für falsch. Unter anderem haben sich die Könige von Marokko und Jordanien, Mohammed VI. und Abdullah II., in den vergangenen Monaten deutlich von Riad distanziert.

Das Herrscherhaus in Bahrain hingegen bleibt den Saudis treu. Die neue türkische Basis in Katar mache deutlich, dass Ankara und Doha das mächtige Saudi-Arabien als Feind betrachteten, twitterte Außenminister Khalid bin Ahmad Al Khalifa. Sein Fazit: "Katar gehört nicht zu uns".