Nach Familienbesuch Erzieherin aus Hamburg in der Türkei festgenommen

Die türkische Polizei hat eine deutsche Staatsangehörige festgenommen, die in der kurdischen Provinzhauptstadt Diyarbakir auf Familienbesuch war. Die Hintergründe sind noch unklar.

Kurdische Frau mit Kopftuch (Symbolbild): "Insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige"
Delil Souleiman / AFP

Kurdische Frau mit Kopftuch (Symbolbild): "Insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige"


In der Türkei sitzt seit Donnerstag eine Erzieherin aus Hamburg in Haft. Das teilte die Kurdische Gemeinde Deutschland mit. Die Frau sei vor zwei Wochen zu Verwandten in die kurdischen Provinzhauptstadt Diyarbakir gereist und von der türkischen Polizei am Flughafen festgenommen worden, als sie zurück nach Deutschland fliegen wollte.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Fall sei bekannt und werde "von unserer Botschaft konsularisch betreut". Nach Angaben des Rechtsanwalts der Frau liege ein Haftbefehl aus Ankara gegen die 58-Jährige vor, sagte der Sprecher der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi.

Möglicherweise stehe ihre Festnahme im Zusammenhang mit dem Engagement ihres Mannes, der Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Hamburg sei, oder mit auf ihrem Facebook-Account geteilten Postings. Tanriverdi sprach von "Schikane" und "türkischer Willkürjustiz", die kritische Stimmen auch im Ausland einschüchtern solle.

In der Vergangenheit waren immer wieder deutsche Staatsangehörige bei Türkei-Besuchen wegen kritischer Äußerungen unter dem Vorwurf der "Terrorpropaganda" festgenommen worden. Eine ganze Serie von Festnahmen wegen "politischer Gründe" hatte 2017 zu einer schweren Krise zwischen Deutschland und der Türkei geführt. Viele Betroffene durften inzwischen ausreisen, ihre Prozesse gehen aber in Abwesenheit weiter.

Zahl der in der Türkei inhaftierten Deutschen stieg zuletzt stark an

Mittlerweile führt das Auswärtige Amt nicht mehr auf, wie viele Deutsche aus politischen Gründen - also etwa wegen Terrorvorwürfen oder Präsidentenbeleidigung - inhaftiert sind. Im August war bekannt geworden, dass die Zahl der in der Türkei inhaftierten Deutschen binnen sechs Monaten von 47 auf 62 gestiegen war.

Betroffen sind laut Auswärtigem Amt "insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige mit engen privaten und persönlichen Bindungen in die Türkei sowie Personen, die neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzen".

Das Auswärtige Amt warnt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zur Türkei ausdrücklich davor, kritische Beiträge in Online-Netzwerken zu veröffentlichen: "Festnahmen und Strafverfolgungen deutscher Staatsangehöriger erfolgten vielfach in Zusammenhang mit regierungskritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien. Ausreichend ist im Einzelfall das Teilen oder 'Liken' eines fremden Beitrags entsprechenden Inhalts."

mes/AFP/dpa



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