Razzien vor Silvester Türkei nimmt fast hundert mutmaßliche IS-Anhänger fest

Kurz vor Silvester hat die Türkei ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bei Durchsuchungen in mehreren Provinzen griffen die Behörden 94 mutmaßliche IS-Anhänger auf. Auch Waffen wurden beschlagnahmt.
Nach Anschlag in Nachtklub: Silvester 2017 tötete ein IS-Anhänger 39 Menschen in Istanbul

Nach Anschlag in Nachtklub: Silvester 2017 tötete ein IS-Anhänger 39 Menschen in Istanbul

Foto: OZAN KOSE/ AFP

Bei einem Anschlag in der Silvesternacht 2017 starben in Istanbul 39 Menschen. Seither gehen türkische Sicherheitskräfte zum Jahresende verstärkt gegen Islamisten vor. Bei landesweiten Razzien wurden nun 94 mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festgenommen. Dies ging aus Polizeiangaben und Berichten staatlicher Medien hervor.

Es handle sich hauptsächlich um ausländische Verdächtige, darunter Iraker, Syrer und ein Marokkaner, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. In Istanbul wurden 20 Einheimische und vier Ausländer festgenommen, um Anschläge der Extremistenmiliz IS zum Jahreswechsel zu verhindern, wie die Polizei mitteilte. In der Hauptstadt Ankara seien es 30 Iraker, zwei Syrer und ein Marokkaner gewesen, die mutmaßlich Verbindungen zur IS-Miliz hätten, meldete Anadolu. Auch in den Städten Kayseri, Adana und Batman habe es Festnahmen gegeben.

Angst vor Vergeltungsschlägen

Laut Anadolu beschlagnahmte die Polizei zudem Waffen, Munition sowie elektronische Geräte. In Ankara werde nach mindestens 17 weiteren Verdächtigen gesucht. Bereits in der vergangenen Woche hatte die türkische Polizei bei einem Großeinsatz in Istanbul 20 mutmaßliche IS-Kämpfer festgenommen. Dabei wurden 48 verdächtige Objekte durchsucht.

In der Silvesternacht 2017 hatte ein Attentäter 39 Menschen in dem Istanbuler Nachtklub Reina erschossen. Der IS hatte den Anschlag für sich reklamiert. Ein "Soldat des Kalifats" sei für die Tat verantwortlich, hieß es in einer entsprechenden Botschaft, die die Miliz auf Arabisch und Türkisch auf ihren einschlägigen Social-Media-Kanälen verschickte. Besonders in diesem Jahr ist die Angst vor ähnlichen Anschlägen groß.

Im Oktober war IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi bei einem US-Angriff im syrischen Grenzgebiet zur Türkei ums Leben gekommen. Bei dem Einsatz soll auch die Türkei die USA unterstützt haben. Dies schürte Sorgen vor Vergeltungsanschlägen der Extremisten. Auch hat Ankara in jüngster Zeit seine Bemühungen verstärkt, festgenommene IS-Kämpfer und Anhänger der Dschihadistenmiliz in ihre Heimatländer abzuschieben.

asc/AFP/Reuters