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Arrest nach Einreise in die Türkei "Und dann war ich gefangen"

Er ist Österreicher und wollte Urlaub in der Türkei machen. Doch in Antalya wurde Mehmet Ali Demir am Flughafen festgehalten, verbrachte drei Tage in einer Arrestzelle. Hier erzählt er seine Geschichte.
Mehmet Ali Demir

Mehmet Ali Demir

Foto: Hasnain Kazim

Mehmet Ali Demir wollte in Antalya Urlaub machen. Gemeinsam mit seiner Familie flog er Mitte Juli von Wien in die türkische Stadt am Mittelmeer - und wurde dort am Flughafen festgehalten. Drei Tage verbrachte der 52-Jährige in einer Arrestzelle. Was genau man ihm vorwirft, weiß er bis heute nicht.

Demir ist alevitischer Kurde, lebt seit 26 Jahren in Graz und ist - im Übrigen ausschließlich - österreichischer Staatsbürger. Er ist Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde in Graz. In die Türkei darf er nicht mehr reisen - ein Schicksal, das er mit vielen Menschen teilt. In Wien berichtet er dem SPIEGEL, was er erlebt hat.

"Mindestens einmal im Jahr reise ich in die Türkei. Ich stamme aus Dersim, einer Stadt im Osten der Türkei, die offiziell Tunceli heißt. Manchmal bin ich auch drei- oder viermal im Jahr dort. Im Juli wollten meine Frau, meine Kinder und ich aber nur Urlaub in Antalya machen, eine Woche in einem Hotel.

Schon seit drei Jahren habe ich jedes Mal Ärger bei der Einreise. Man hielt mich eine Stunde oder länger fest und stempelte mir schließlich irgendetwas auf meine Bordkarte, bevor ich gehen durfte. Aber diesmal, am 16. Juli, wollte man uns nicht einreisen lassen. 'Wir wissen, dass du für die Alevitische Gemeinde in Österreich arbeitest!', sagte mir ein Polizist. Ich erwiderte: 'Ja, na und? Ist das etwa etwas Unrechtmäßiges? Wir sind ein offizieller Verein.' Aber die Beamten sagten nur: 'Wir wissen genau, was ihr da treibt!' Was ich angeblich getan haben soll, sagten sie aber nicht.

Meine Frau und meine Kinder ließen sie schließlich einreisen, mich nicht. Ich sagte ihnen, dass ich auf keinen Fall freiwillig in ein Flugzeug zurück nach Wien steigen würde und dass sie mich schon deportieren müssten. Also kam ich in eine Arrestzelle. Und dann war ich gefangen. Drei Tage lang hielten sie mich dort fest.

Jeden Tag kam ein Polizist und forderte mich auf, ein Formular zu unterschreiben, wonach ich die Vorwürfe gegen mich einräume und einer Rückkehr nach Österreich und einem fünfjährigen Einreiseverbot in die Türkei zustimme. Ich weigerte mich jedes Mal und fragte, was man mir denn überhaupt vorwirft. Sie sagten mir, ich sei eine Gefahr für die türkische Gesellschaft und die türkische Verfassung. Ich war sprachlos.

Vor 26 Jahren bin ich nach Österreich gekommen, aus politischen Gründen. Wir Kurden wurden auch damals verfolgt in der Türkei. Inzwischen bin ich ausschließlich österreichischer Staatsbürger. Viele Jahre habe ich einen Imbiss in Graz betrieben, nebenbei habe ich für einen kurdischen Fernsehsender gearbeitet. Vielleicht hat ihnen das nicht gefallen. Aber was ist daran unrechtmäßig?

Als sie mich nach drei Tagen zu einem Flugzeug bringen wollten, leistete ich Widerstand. Ich brüllte, die Türkei sei ein freies Land, so dürfe man doch nicht mit Menschen umgehen! Viele Menschen wurden nun aufmerksam, manche applaudierten mir, einige mischten sich ein. Am Ende ließen die Polizisten mich doch einreisen, aber nur für vier Tage. Da ich sowieso nur eine Woche bleiben wollte, passte das.

Bei meiner Ausreise hat man mir mitgeteilt, dass ich nicht mehr in die Türkei kommen darf. Ich weiß weder, wie lange dieses Verbot gilt, noch, was genau man mir vorwirft. Schriftlich hat man mir sowieso nichts gegeben, weil ich mich geweigert habe, irgendetwas zu unterschreiben. Im September werde ich wieder in die Türkei fliegen. Ich habe keine Sorge, festgenommen zu werden. Schließlich habe ich nichts Illegales getan. Wir müssen uns wehren und dürfen nicht aus Angst nicht mehr in die Türkei reisen."

Protokolliert von Hasnain Kazim