Nach Putschversuch Türkei ordnet Festnahme von mehr als 200 Soldaten an

In wenigen Tagen jährt sich der gescheiterte Putsch in der Türkei. Nun hat die Justiz erneut die Festnahme Dutzender Militärs beantragt - sie sollen in Verbindung zur verbotenen Gülen-Bewegung stehen.

Erdogan-Anhänger protestieren nach dem Putschversuch 2016 in Istanbul
AP

Erdogan-Anhänger protestieren nach dem Putschversuch 2016 in Istanbul


Der Putschversuch in der Türkei liegt fast drei Jahre zurück und noch immer suchen die Behörden nach angeblichen Mitverschwörern. In mehreren Städten wurden erneut Dutzende Festnahmen angeordnet.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe wegen des Verdachts auf Verbindungen zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen Haftbefehle gegen 176 aktive Militärangehörige ausgestellt. Ankara macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich.

Die Staatsanwaltschaft in Izmir schrieb ihrerseits 35 Verdächtige zur Fahndung aus, darunter 20 Soldaten im aktiven Dienst, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Demnach wurden auch in der nordwestlichen Provinz Kocaeli 17 Verdächtige gesucht, darunter neun aktive oder frühere Soldaten. In Ankara wurde die Festnahme von 32 Soldaten beantragt, darunter ein Oberst und diverse andere Offiziere, wie die örtliche Staatsanwaltschaft mitteilte. Grund seien auch in diesen Fällen mutmaßliche Verbindungen zu dem Netzwerk des in den USA lebenden Predigers Gülen.

Insgesamt sind seit dem Putschversuch nach Regierungsangaben vom März rund 500.000 Menschen wegen angeblicher Gülen-Verbindungen festgenommen worden - rund 30.000 sollen weiter in Haft sein. Allein in der vergangenen Woche waren Anadolu-Berichten zufolge 282 Menschen festgenommen worden. In der Woche davor waren es 200 Menschen. Bürgerrechtler werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, Kritiker zu unterdrücken.

Die Regierung verteidigt das Vorgehen als notwendige Maßnahme zur Gewährleistung der Sicherheit im Land. Erdogan hatte im April bei einer Ansprache gesagt, dass unter den derzeit Inhaftierten mehr als 4400 Polizisten seien. Insgesamt seien rund 31.000 Mitarbeiter der Polizei ihres Amtes enthoben worden, außerdem mehr als 15.000 Angehörige des Militärs.

asc/Reuters/AFP/dpa



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