Türkei gegen Israel Arabische Länder feiern Erdogan

"Staatsterrorismus", "Massenmord", "Banditentum": Türkeis Premier Erdogan hat Israel wegen der Erstürmung der Gaza-Hilfflotte erneut scharf angegriffen - und bekommt dafür großen Zuspruch der arabischen Welt.

Erdogan mit arabischen Gästen: Die Augen nicht vor "Banditentum" verschließen
dpa

Erdogan mit arabischen Gästen: Die Augen nicht vor "Banditentum" verschließen


Istanbul - Mit scharfen Worten gegen Israel hat Recep Tayyip Erdogan in Istanbul ein Wirtschaftsforum eröffnet: "Werden wir schweigen angesichts der Ermordung von neun Menschen?" fragte der türkische Ministerpräsident seine Landsleute und die arabischen Gäste. Israel müsse sich für die blutige Erstürmung einer Schiffsflotte mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen entschuldigen, forderte Erdogan weiter.

Die arabischen Teilnehmer reagierten mit Beifall auf seinen Appell, die Augen "angesichts dieses Banditentums in internationalen Gewässern" nicht zu verschließen. Mehrere Redner stellten sich hinter die Forderung der türkischen Regierung, Israel müsse sich für die blutige Erstürmung einer Schiffsflotte mit Hilfsgütern für den Gazastreifen entschuldigen.

So warf der Vorsitzende der Arabischen Liga, Amr Mussa, Israel die Verletzung von Menschenrechten und internationalem Recht vor. Die Türkei hingegen lobte der Redner dafür, Israel während der Kommandoaktion auf dem Schiff herausgefordert zu haben: "Das sind auch unsere Märtyrer."

Böswillige Unterstellungen und "schmutzige Propaganda"

Erdogan übte erneut deutliche Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern. Er kündigte an, sein Land werde zum "Massenmord" an Palästinensern und israelischem "Staatsterrorismus" nicht schweigen. "Es wird keinen Frieden geben, solange Gaza abgeriegelt ist", verkündete er.

Vorwürfe, dass sein Land sich vom Westen entferne und von Europa wegsteuere, bezeichnete der türkische Ministerpräsident als böswillige Unterstellungen und "schmutzige Propaganda". Diese diene allein dem Zweck, den Aufbau guter Beziehungen zwischen der Türkei und arabischen Ländern zu stören. Erdogan bezeichnete die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit der arabischen Welt als Erfolgsmodell. Er rief arabische Investoren auf, ihre Geschäfte in der Türkei weiter auszubauen. Auf eine Annäherung an Europa will Erdogan deshalb aber nicht verzichten: Sein Land wolle weiterhin der Europäischen Union beitreten, versicherte er.

Das von Erdogan eröffnete türkisch-arabische Kooperationsforum dient dem Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und den Nachbarländern im Nahen Osten und Nordafrika.

tro/dpa/apn

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