Krieg in Syrien Russische Luftangriffe verärgern die Türkei

Die Türkei ermahnt Russland mit deutlichen Worten, den Militäreinsatz in Syrien auf den Kampf gegen den IS zu beschränken. Moskau kündigt an, die Luftangriffe sollten drei bis vier Monate dauern.
Bildausschnitt aus einem Video aus der Nähe von Idlib: Türkei warnt vor "weiterer Eskalation"

Bildausschnitt aus einem Video aus der Nähe von Idlib: Türkei warnt vor "weiterer Eskalation"

Foto: AP/ Hadi Al-Abdallah

Eigentlich hatten sich Moskau und Ankara in den vergangenen Monaten angenähert. Nun sorgen die russischen Luftangriffe in Syrien für Kontroversen: Die Türkei und ihre Verbündeten haben Russland aufgefordert, den Militäreinsatz in Syrien auf den Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) einzuschränken. Luftangriffe auf die syrische Opposition sowie Zivilisten müssten umgehend eingestellt werden, betonte das türkische Außenministerium.

Das Nato-Land Türkei zeigte sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und den verbündeten Golfstaaten tief besorgt über die russischen Militäraktionen. Sie bedeuteten eine "weitere Eskalation" des Konflikts, hieß es.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte laut Medienberichten, russische Luftangriffe hätten sich gegen Stellungen der vom Westen unterstützten Freien Syrischen Armee (FSA) gerichtet. Damit stärke Russland der syrischen Regierung den Rücken. Zudem spiele die russische Taktik der IS-Miliz in die Hände. Die Entwicklung bezeichnete Davutoglu als "besorgniserregend".

Russland hatte am Donnerstag eingeräumt, neben dem IS auch andere Rebellengruppen ins Visier zu nehmen.

Am Freitag erklärte der Vorsitzende des Duma-Außenausschusses, man plane, dass die Angriffe der Kampfflugzeuge drei bis vier Monate dauerten. Alexej Puschkow kündigte im französischen Sender Europe 1 zudem an, dass sich die Luftangriffe noch intensivieren würden. Unterstützt von der russischen Luftwaffe bereitet auch die syrische Armee offenbar eine großangelegte Offensive im Norden des Landes vor.

Neue Angriffe auf IS-Miliz

Foto: SPIEGEL ONLINE

Laut Aktivisten wurde in der Nacht die vom IS gehaltene Stadt Karjatain bombardiert. Bei den Kampfflugzeugen habe es sich vermutlich um russische Jets gehandelt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Deren Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, haben sich in den vergangenen Jahren aber meist als zuverlässig erwiesen. Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad verloren im August die Kontrolle über den rund 130 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegenen Ort.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte, russische SU-34 Kampfjets hätten eine IS-Kommandozentrale südwestlich von al-Rakka zerstört. Angaben zu Opfern wurden nicht gemacht.

Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, dass auch moderate Kräfte und Zivilisten Opfer von russischen Bombenangriffen geworden seien. Auch bei den russischen Luftangriffen am Donnerstag sollen nach Angaben der Beobachtungsstelle wieder mindestens sieben Zivilisten ums Leben gekommen sein. Russland wies die Vorwürfe bisher zurück, nach eigener Darstellung geht Moskau mit Kampfflugzeugen gegen Terroristen vor.

Das Militär greife aber nicht nur die IS-Miliz an, sondern auch andere Gruppen, gab Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow zu. Präsident Wladimir Putin bezeichnete westliche Berichte über den Tod von Zivilisten bei den russischen Attacken als feindliche Propaganda.

Die USA und Russland hatten sich zuletzt auf militärischer Ebene abgesprochen - zur Vermeidung von Missverständnissen ihrer Streitkräfte in Syrien. Es habe einen "freundlichen und professionellen Austausch" gegeben, sagte ein Pentagon-Sprecher. Nach Angaben des Weißen Hauses drehte sich das einstündige Gespräch darum, dass in dem Bürgerkrieg internationale Regeln eingehalten und die üblichen Kommunikationskanäle genutzt würden. Der Austausch von Geheimdienstinformationen sei aber nicht geplant, hieß es.

vek/Reuters/AFP
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