Kampf gegen Kurden und IS Russland kritisiert türkische Syrien-Offensive

Russland hat den Kriegseinsatz der Türkei im Norden Syriens als völkerrechtswidrig kritisiert. Gegen den IS vermeldet die türkische Regierung Erfolge - und die Rückkehr syrischer Flüchtlinge in die befreite Grenzstadt Dscharablus.

Explosionen nahe der Grenzstadt Dscharablus
AFP

Explosionen nahe der Grenzstadt Dscharablus


Russland hat die derzeit laufende türkische Militäroffensive in Nordsyrien scharf kritisiert. Die schwierige Lage in dem Bürgerkriegsland werde durch das türkische Eingreifen noch komplizierter, erklärte das russische Außenministerium. Der Kriegseinsatz sei weder mit der syrischen Regierung noch mit dem Uno-Sicherheitsrat abgestimmt und verstoße gegen Völkerrecht.

Russland ist mit dem Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad verbündet und kämpft an dessen Seite gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aber auch gegen die syrischen Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA). Die FSA wiederum wird von den USA und der Türkei im Kampf gegen den IS und das Assad-Regime unterstützt.

Unterdessen meldet die türkische Regierung, eine erste Gruppe von knapp 300 syrischen Flüchtlingen sei in die Stadt Dscharablus unweit der syrisch-türkischen Grenze zurückgekehrt. Von dort war der IS kürzlich von türkischen Einheiten vertrieben worden. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte außerdem an, sein Land sei bereit, gemeinsam mit den USA den IS aus dessen inoffizieller Hauptstadt Rakka zu vertreiben.

Seit rund zwei Wochen greifen türkische Kampfjets, Panzer und Bodentruppen Milizen in Syrien an. Mit ihrer Operation "Schutzschild Euphrat" soll zweierlei gelingen: den IS aus der Grenzregion zu verdrängen. Und, noch wichtiger für die Türkei: den Vormarsch der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) entlang der türkisch-syrischen Grenze nach Westen zu stoppen.

In der ersten Woche hatte die Offensive nicht den gewünschten Effekt: Mit den Kurden schloss Erdogan faktisch eine Feuerpause, der IS machte sogar Boden gut. Zuletzt meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte jedoch, der IS habe seine letzten Stellungen entlang der syrisch-türkischen Grenze verloren und damit "seinen Kontakt zur Außenwelt verloren".

Während im Norden Syriens mit der Türkei jetzt ein weitere Partei Krieg auf syrischem Boden führt, gehen die Kämpfe um die eingeschlossene nordsyrische Rebellenhochburg Aleppo mit unverminderter Härte weiter. Möglicherweise sollen dort sogar international geächtete Chemiewaffen eingesetzt worden sein. Ärzte berichteten am Mittwoch aus der Stadt, sie hätten Dutzende Menschen mit Atemproblemen behandelt.

Die Mediziner werfen den Regierungstruppen von Präsident Assad vor, über der Stadt Chlorgasgranaten abgeworfen zu haben. Die Berichte lassen sich nicht unabhängig prüfen. Armeeangehörige bestritten am Mittwochnachmittag, Chlorgas eingesetzt zu haben. Andernorts hatten Assad-Truppen allerdings nachweislich die Chemiewaffe benutzt.

Im Kampf um Aleppo hat das Assad-Regime offenbar Verstärkung nötig: Die schiitisch-irakische Gruppe Harakat al-Nujaba erklärte, sie habe in den vergangenen Tagen tausend zusätzliche Kämpfer in den Süden Aleppos entsandt. Der Ostteil der Stadt wird nach wie vor von sunnitischen Regimegegnern gehalten. Schiiten aus dem Irak und Iran kämpfen, wie auch Russland, an der Seite der syrischen Regierung und wollen den Widerstand in der eingeschlossenen Stadt seit Monaten brechen.

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cht/Reuters/dpa

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