Korruptionsaffäre in der Türkei Islamischer Prediger Gülen verklagt Erdogan

Die Türkei wird von einer heftigen Korruptionsaffäre erschüttert, Premier Erdogan vermutet eine Verschwörung des islamischen Predigers Gülen. Der reicht nun Klage gegen den Ministerpräsidenten ein - wegen Beleidigung und Hetze.

Prediger Gülen: Schmerzensgeld von Erdogan
AFP/ Zaman Daily

Prediger Gülen: Schmerzensgeld von Erdogan


Ankara - Die heftige politische Auseinandersetzung zwischen dem islamischen Prediger Fethullah Gülen und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat ein juristisches Nachspiel. Gülen geht gegen den Premier wegen Beleidigung und Hetze vor. Der 72-Jährige verlange ein Schmerzensgeld von 100.000 Lira, umgerechnet rund 30.000 Euro, von Erdogan, sagte Gülens Anwalt Nurullah Albayrak. Er begründete die Klage damit, dass Erdogan Gülen in hetzerischer Weise angegriffen habe.

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Heft 6/2014
Plädoyer für ein Sterben in Würde

Der türkische Regierungschef steht seit Wochen wegen einer massiven Korruptionsaffäre unter Druck: Istanbuler Staatsanwälte hatten am 17. Dezember Dutzende Verdächtige festnehmen lassen, darunter die Söhne von Ministern. Bei dem Skandal geht es unter anderem um die Bestechung von Politikern.

Erbitterte Feinde

Erdogan macht Gülen und dessen Anhänger für die Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung verantwortlich. Er betrachtet die Ermittlungen als Verschwörung mit dem Ziel, seiner islamisch-konservativen AKP vor den Kommunal- und Präsidentschaftswahlen zu schaden. Er ließ Tausende Polizisten, Hunderte Staatsanwälte und Richter strafversetzen - was ihm massive Kritik von der EU einbrachte.

Gülens Bewegung, die in der Türkei über großen Einfluss verfügt, weist die Anschuldigungen zurück und wirft dem Premier autoritäre Tendenzen vor. Gülen selbst lebt seit 1999 in den USA.

Seine Bewegung Hizmet (zu Deutsch "Dienst") hatte Erdogans islamisch-konservative Regierung über Jahre unterstützt, vor allem im Kampf gegen den politischen Einfluss des Militärs. 2013 überwarf sich Gülen aber mit dem AKP-Vorsitzenden Erdogan. Seitdem sind die Hizmet-Bewegung und die Anhänger Erdogans erbitterte Feinde.

Erdogan wirft Hizmet vor, einen Staat im Staate gebildet zu haben und damit die Demokratie anzugreifen. Hizmet kritisiert dagegen, der Premier nutze die Korruptionsaffäre, um die Justiz unter die Kontrolle der Regierung zu stellen.

Erdogan: Die EU braucht die Türkei

Derzeit hält sich Erdogan in Berlin auf, wo er an diesem Dienstagmittag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen wird. Er wirbt für eine baldige Aufnahme seines Landes als Vollmitglied in die EU. Die Europäische Union ist nach seiner Ansicht auf sein Land angewiesen. Nicht nur die Türkei brauche die EU, sondern auch die EU brauche die Türkei, sagte Erdogan bei einem Vortrag vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.

Die türkische Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, das nationale Einkommen und die Exporte hätten sich vervielfacht, die Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen, so der Premier. Sein Land habe fast 77 Millionen Einwohner. Es werde unmöglich sein, das 21. Jahrhundert ohne die Türkei zu gestalten.

Erdogans Besuch in Berlin hat auch wahltaktische Gründe: Der Premier ist wieder auf Wahlkampftour. Am 30. März sind Kommunalwahlen in der Türkei, im Sommer stimmen die Türken dann über einen Präsidenten ab, da kommt es auf jede Stimme an. Das Staatsoberhaupt wird erstmals von der Bevölkerung direkt gewählt - und zum ersten Mal dürfen Türken, die im Ausland leben, ihre Stimmen abgeben. In Deutschland sind es 1,5 Millionen Wahlberechtigte.

Am Dienstagabend wird der Regierungschef und AKP-Vorsitzende Erdogan deshalb vor Tausenden Anhängern im Berliner Tempodrom auftreten. "Berlin trifft den großen Meister" heißt der Titel der Veranstaltung, die von mehreren türkischen Sendern live übertragen wird.

heb/AFP/dpa

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
juerler@saxonia.net 04.02.2014
1. Gülen
Zitat von sysopAFP/ Zaman DailyDie Türkei wird von einer heftigen Korruptionsaffäre erschüttert, Premier Erdogan vermutet eine Verschwörung des islamischen Predigers Gülen. Der reicht nun Klage gegen den Ministerpräsidenten ein - wegen Beleidigung und Hetze. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-islamischer-prediger-guelen-verklagt-erdogan-a-950949.html
Gülen lebt in den USA!!!! Da Erdogan die USA mehrfach herausgefordert hat(Waffenkauf in China- nicht in USA, Israel.....) scheint doch klar, dass die Amerikaner wieder einmal eine nicht genehme Regierung aushebeln wollen. Beispiele dieser Handlungen gibt es zur Genüge wie Irak, Lybien, Georgien......zeigen.So sieht die wohlgepriesene echte Demokratie aus.Unter diesem Mantel und des Terrorismus wird alles gerechtfertigt.
derandersdenkende, 04.02.2014
2. Unterschiedliche Auffassungen
Zitat von sysopAFP/ Zaman DailyDie Türkei wird von einer heftigen Korruptionsaffäre erschüttert, Premier Erdogan vermutet eine Verschwörung des islamischen Predigers Gülen. Der reicht nun Klage gegen den Ministerpräsidenten ein - wegen Beleidigung und Hetze. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-islamischer-prediger-guelen-verklagt-erdogan-a-950949.html
zur demokratischen Gesellschaft. Die einen (Gülen) möchten Erdogan wegen erwiesener Korruption und Mißachtung des Willens des Volkes vor Gericht haben, die anderen (Steinmeier) möglichst schnell in der EU und im europäischen Parlament. Es gibt für mich wenig Ansatzpunkte zur Übereinstimmung mit beiden Herren. Aber in diesem Fall scheint mir Herr Gülen nicht ganz falsch zu liegen!
xoxxxoooxo 04.02.2014
3. Der Herr Feytullah
hat wohl schon vergessen, das er live vor Millionen Zuschauern im Fernsehen und später auch als Youtube Lachnummer Nummer 1, gepredigt hat auf einer nicht so islamischen Art, dass die Familien auseinander bröckeln sollen, dass sie nicht genug Essen haben sollen, das ein Stein über ihr Haus fallen soll (alles türkische Redewendungen um jemanden das schlimmste zu wünschen). Das war alles gegen die AKP gerichtet. Er soll sich lieber freuen nicht selber angeklagt zu werden. Ich persönlich habe ja noch nie gehört, dass die Kirche seine Männer im Staat verschanzt und gegen die Merkl hetzt und sie als Erzfeind deklariert. Achja es gibt im Islam keinen Kopf der Religion, aber er hält sich für einen.
jenli 04.02.2014
4. Irgendwann wird die EU ...
... die Türkei vielleicht brauchen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und das autoritäre Gehabe Erdogans während der letzten Monate ist kein guter Wegweiser.
AhzekAhriman 04.02.2014
5. Klappe halten
Der soll blos mal die Klappe halten. Der ist kein Stück besser als Erdokhan, wahrscheinlich sogar um längen schlimmer, mit seinem islamistisch/faschistischen Ideologieverständnis.
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