Mega-Rüstungsdeal Türkei kauft russisches Raketenabwehrsystem

Nato-Partner wie die USA sind entsetzt: Ankara hat sich mit Moskau auf ein milliardenschweres Rüstungsgeschäft geeinigt, eine Anzahlung ist bereits erfolgt.
Russisches Raketenabwehrsystem S-400

Russisches Raketenabwehrsystem S-400

Foto: REUTERS/ RIA Novosti

Es ist der bislang größte Rüstungsdeal, der zwischen der Türkei und Russland geschlossen wurde: Ankara hat bekanntgegeben, das russische Raketenabwehrsystem S-400 zu kaufen. Der Vertrag sei nun unterzeichnet worden, sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan laut türkischen Medienberichten. Seiner Kenntnis nach sei bereits eine Anzahlung erfolgt.

Die USA hatten die Pläne des Nato-Partners zuvor kritisiert. Das Pentagon warnte, womöglich gebe es bei der Verwendung russischer Technologie Schwierigkeiten bei der militärischen Zusammenarbeit innerhalb der westlichen Allianz.

Die Türkei hatte 2015 die Ausschreibung für ein Abwehrsystem von Langstreckenraketen im Volumen von 3,4 Milliarden Dollar abgesagt. Zunächst hatte China den vorläufigen Zuschlag erhalten, was bei den USA und anderen Bündnispartnern im Westen Besorgnis ausgelöst hatte. Falls die geplante eigenständige Entwicklung zu lange dauere, würden andere Optionen wie die Beschaffung im Ausland geprüft. Den Zuschlag erhielt nun Russland.

System gilt als effektivstes Flugabwehrsystem

Das S-400 "Triumf", von der Nato als SA-21 "Growler" bezeichnet, gilt als eines der effektivsten Langstreckenflugabwehrsysteme der Welt. Es besteht aus acht Raketen-Startvorrichtungen, einer Kontrollstation und einem Radar, das bis zu 300 Ziele zugleich erfassen kann.

Das System verfügt über drei unterschiedliche Arten von Abfangraketen. Sie sollen Ziele in einer Entfernung von bis zu 400 Kilometern und einer Flughöhe von 27 Kilometern bekämpfen können. Dazu gehören Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper oder ballistische Raketen, selbst Tarnkappenflugzeuge sollen laut einigen Quellen nicht sicher vor einem Abschuss durch das S-400-System sein.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland waren im Jahr 2015 auf einem Tiefpunkt, nachdem die türkischen Streitkräfte ein russisches Kampfflugzeug an der syrischen Grenze abgeschossen hatten. Inzwischen haben sich beide Mächte wieder angenähert.

Deutschland hält wegen der Spannungen mit der Türkei fast alle Rüstungsexporte zurück: Das machte Außenminister Sigmar Gabriel deutlich. Die Bundesregierung habe gegenüber einem Nato-Partner eigentlich die Pflicht zu liefern, sagte Gabriel. Mit Blick auf die Türkei sei dies aktuell jedoch nicht zu verantworten.

Die Bundesregierung genehmigte seit Jahresbeginn den Export von Rüstungsgütern mit einem Gesamtwert von mehr als 25 Millionen Euro in die Türkei.

mho/AFP
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