S-400-Abwehrraketen Trump zeigt Verständnis für Erdogans Rüstungsdeal mit Russland

Die Türkei verärgert die Nato mit dem Kauf russischer S-400-Abwehrraketen. US-Präsident Trump hat jetzt seine "sehr gute" Beziehung zu Staatschef Erdogan betont. Kampfjets will er ihm aber nicht mehr verkaufen.
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

Foto: REUTERS/Leah Millis

Vergangene Woche ist in der Türkei das umstrittene Flugabwehrsystem aus Russland eingetroffen. Die Reaktion von US-Präsident Donald Trump war daraufhin mit Spannung erwartet worden: Eigentlich hatte er sich gegen den Einsatz des Abwehrsystems im Nato-Raum ausgesprochen. Auch bei anderen Mitgliedern des Verteidigungsbündnisses löst der Deal Sorgen aus.

Nun aber hat Trump aber Verständnis für die Entscheidung der Türkei geäußert. Er habe eine "sehr gute" Beziehung zu dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, und die Situation sei sehr schwierig, sagte Trump. Die Türkei sei "gezwungen" worden, das russische System zu kaufen, da die demokratische Vorgängerregierung ihr nicht das amerikanische Patriot-System verkauft habe.

Der Republikaner übernahm damit ein Argument der türkischen Regierung. Ähnlich hatte er sich bereits am Rande eines Treffens mit Erdogan in Japan geäußert. Der designierte US-Verteidigungsminister Mark Esper kritisierte die Türkei dagegen. Die Entscheidung der Türkei über die S-400 sei "falsch und enttäuschend", sagte er bei einer Anhörung im US-Kongress.

Der Kauf des russischen Systems sorgt seit Monaten für Streit zwischen den USA und der Türkei. Es ist der bislang größte Rüstungsdeal zwischen Ankara und Moskau. Washington befürchtet nach eigenen Angaben, dass Russland über das Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten der neuen US-Kampfjets F-35 gelangt. Die Türkei ist Partner beim Bau der F-35 und soll etwa hundert Jets bekommen. Das Pentagon droht damit, die Türkei Ende Juli aus dem F-35-Programm zu werfen.

Türkei darf nun keine amerikanischen Kampfjets mehr kaufen

Trump sagte bei der Kabinettssitzung, es sei der Türkei nun verwehrt, über hundert Kampfjets zu kaufen, worüber der Rüstungskonzern Lockheed Martin "nicht gerade glücklich" sei. "Wir haben eine Situation, in der die Türkei sehr gut zu uns war, sehr gut, und wir sagen der Türkei jetzt, dass sie, weil sie gezwungen wurden, ein anderes Raketensystem zu kaufen, wir ihnen die F-35-Kampfjets nicht verkaufen."

Seine Regierung hatte in den vergangenen Wochen auch mit Sanktionen gedroht. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, Trump und Außenminister Mike Pompeo prüften derzeit noch die verschiedenen Optionen. Sanktionen seien in Arbeit. Die US-Regierung werde öffentlich dazu Stellung nehmen, sobald die Überlegungen abgeschlossen seien.

Die Auslieferung der S-400 von Russland an die Türkei hatte am Freitag begonnen. Inzwischen ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara das zwölfte Flugzeug mit russischen Raketenteilen auf dem Luftwaffenstützpunkt Mürted (früher Akinci) bei Ankara gelandet.

Die Türkei hatte in der vergangenen Woche erklärt, man überlege, auch das amerikanische Patriot-System zu kaufen. Bisher hatte die Regierung in Ankara argumentiert, das Angebot der USA sei nicht so gut wie das russische. Sie gab auch an, dass man sich in früheren Jahren mehrfach um Patriots beworben habe, ohne sie zu bekommen. Das stimmt allerdings nicht ganz. Die Regierung des demokratischen Präsidenten Barack Obama war bereit, das System an die Türkei zu verkaufen.

mfh/dpa
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