Türkei Ausreisesperre gegen Adil Demirci verlängert

Mehr als ein Jahr nach seiner Festnahme in Istanbul darf der Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci die Türkei weiterhin nicht verlassen. Ein türkisches Gericht lehnte ein Ende der Ausreisesperre ab.

Demonstranten fordern im Juni 2018 die Freilassung von Adil Demirci
DPA

Demonstranten fordern im Juni 2018 die Freilassung von Adil Demirci


Der wegen Terrorvorwürfen angeklagte Kölner Adil Demirci muss weiter in der Türkei bleiben. Ein Gericht in Istanbul lehnte einen Antrag auf Aufhebung der Ausreisesperre ab. Der Sozialarbeiter und Journalist war Mitte Februar nach rund zehn Monaten aus der Untersuchungshaft freigekommen, darf aber seitdem Istanbul nicht verlassen.

Eine baldige Rückkehr nach Deutschland ist für den 33-Jährigen damit zunächst ausgeschlossen. Auf den nächsten Verhandlungstermin muss Demirci fast sechs Monate lang warten: Erst am 15. Oktober soll der Prozess fortgesetzt werden.

"Das ist sehr enttäuschend für mich", sagte Demirci. Er habe damit gerechnet, dass er heute nach Deutschland zurückkehren könne. Vor der Verhandlung hatte Demirci der Nachrichtenagentur dpa gesagt, er wolle sein Leben in Köln wiederhaben und mache sich Sorgen um seine Mutter, die in Deutschland lebt und schwer an Krebs erkrankt sei.

Neue Vorwürfe

Demirci ist einer der prominentesten verbliebenen Fälle gegen einen Deutschen in der Türkei. Demirci besitzt die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit und war im April 2018 während des Urlaubs in Istanbul festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vor.

Die Partei ist in der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Demirci, der auch für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet hat, weist die Vorwürfe zurück. Im SPIEGEL-Interview hatte er gesagt, er wisse nicht, warum gegen ihn ermittelt werde.

Mit der Verlängerung der Ausreisesperre erhob der Richter zudem neue Vorwürfe gegen den Kölner. Demirci habe "Kurierdienste in Syrien und dem Irak" geleistet, sagte der Richter. Demirci bestreitet auch diese Vorwürfe.

fek/dpa



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