Türkei Kritischer Journalist wegen Tweet festgenommen

Dutzende Journalisten sitzen nach dem Putschversuch in der Türkei in Haft. Nun haben Polizisten auch den bekannten Regierungskritiker Ahmet Sik festgesetzt.
Ahmet Sik im August in Istanbul

Ahmet Sik im August in Istanbul

Foto: Linda Say/ dpa

Er ist ein prominenter Kritiker der Gülen-Bewegung in der Türkei - aber auch des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Ahmet Sik ist von der Polizei in Istanbul in Gewahrsam genommen worden. "Ich werde festgenommen", schrieb Sik auf seinem Twitteraccount. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete über den Zugriff.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Hintergründe sind noch nicht klar. Er werde wegen eines Tweets der Staatsanwaltschaft vorgeführt, twitterte Sik weiter. Der Journalist gehört zu den prominentesten Kritikern der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch Mitte Juli verantwortlich macht. Sik kritisiert aber auch die jahrelange Förderung Gülens durch die Regierungspartei AKP und vor allem durch Erdogan bis zum öffentlichen Bruch 2013.

Noch vor wenigen Monaten sagte Sik in einem Interview: "Über die Gülen-Gemeinde zu diskutieren und gleichzeitig die Mitschuld der AKP zu verheimlichen, ist ein großes Versäumnis. Fethullah Gülen und Recep Tayyip Erdogan müssen wegen Bildung und Leitung einer Organisation zusammen vor Gericht gestellt werden."

Die Behörden gehen seit dem Putschversuch von Mitte Juli verstärkt gegen Regierungskritiker vor. Mindestens 81 Journalisten sind derzeit in Haft, berichtet das New Yorker Committee to Protect Journalists (CPJ). Demnach haben mehr als 130 Medienvertretungen in der Türkei seit dem Putsch schließen müssen. Häufig wird den Journalisten terroristische Propaganda vorgeworfen.

Am Donnerstag begann auch der Prozess gegen die türkische Autorin Asli Erdogan und acht weitere Angeklagte in Istanbul. Ihnen wird unter anderem Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Hintergrund ist ihre Arbeit für die inzwischen geschlossene pro-kurdische Zeitung "Özgür Gündem". Die türkischen Behörden sehen das Blatt als Sprachrohr der PKK. Erdogan hatte Kolumnen für die Zeitung geschrieben und war im August im Zuge einer Razzia gegen die "Özgür Gündem" festgenommen worden.

vks/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.