Pressefreiheit Schulz warnt Türkei vor schwarzen Listen für Reporter 

Führt die Türkei Listen mit den Namen unerwünschter ausländischer Journalisten? Das Auswärtige Amt in Berlin weiß von nichts, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warnt Ankara vor einem solchen Schritt.

Martin Schulz
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EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat die Türkei für ihren Umgang mit ausländischen Journalisten kritisiert. Der SPD-Politiker warnte die Regierung in Ankara davor, schwarze Listen mit Namen unerwünschter Reporter anzulegen. "Listen mit Journalistennamen haben in Demokratien nichts zu suchen", sagte Schulz der "Bild"-Zeitung.

Erst am Montag hatten die Behörden auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul dem US-Reporter David Lepeska die Einreise verweigert . Am Samstag war der für die "Bild"-Zeitung arbeitende griechische Fotoreporter Giorgos Moutafis auf dem Istanbuler Flughafen abgewiesen worden. Sein Name stehe auf einer Liste, habe es geheißen.

Die Fälle reihen sich in eine ganze Serie ähnlicher Vorfälle in jüngster Zeit ein:

  • Der ARD-Fernsehkorrespondent Volker Schwenck durfte nicht in die Türkei einreisen. Er wollte aus dem Büro in Kairo über Istanbul weiter in das türkisch-syrische Grenzgebiet reisen, wo er Gespräche mit syrischen Flüchtlingen plante. Schwenck musste sich stundenlang im Abschieberaum des Flughafens aufhalten. Inzwischen ist er wieder in Kairo. Die Hintergründe sind nach wie vor unklar.
  • SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim verließ im März die Türkei . Er hatte sich vergeblich um eine neue Akkreditierung beim türkischen Presseamt bemüht.

Das Auswärtige Amt teilte "Bild" mit, von schwarzen Listen der Türkei keine Kenntnis zu haben. "Die Bundesregierung erwartet, dass deutsche Journalisten in der Türkei ihrer Aufgabe ungehindert nachgehen können", sagte ein Sprecher dem Blatt.

Die Türkei steht wegen ihres Umgangs mit der Pressefreiheit seit Längerem in der Kritik. Die Debatte über die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei überschattete am Samstag auch den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Flüchtlingslager nahe der Grenze zu Syrien .

syd/Reuters

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