Türkei Dutzende Tote bei Anschlag in Istanbul

Bei zwei Explosionen in Istanbul sind mindestens 29 Menschen getötet worden. Laut Innenministerium detonierte eine Autobombe nahe einem Fußballstadion, ein Selbstmordattentäter sprengte sich in die Luft.

REUTERS

Im Zentrum von Istanbul haben sich am Abend zwei Explosionen ereignet. Laut Innenminister Süleyman Soylu starben mindestens 29 Menschen, die meisten davon Polizisten. 166 Menschen wurden demnach verletzt.

Kurz nach einem Fußballspiel zwischen den türkischen Erstligaklubs Besiktas und Bursaspor war um 22.29 Uhr Ortszeit eine Autobombe vor der Vodafone Arena, dem Stadion von Besiktas, explodiert. Der Anschlag galt laut Innenministerium einem Bus mit Polizisten, die das Fußballspiel abgesichert hatten. 45 Sekunden später habe sich im nahegelegenen Macka-Park ein Selbstmordattentäter in einer Gruppe Polizisten in die Luft gesprengt.

Fernsehbilder zeigten schwer beschädigte Polizeifahrzeuge sowie ein brennendes Auto und mehrere Rettungswagen. Nach Angaben von Augenzeugen gingen zudem mehrere Fenster von benachbarten Häusern zu Bruch. Die Polizei riegelte das gesamte Gebiet um das Stadion ab, das im Stadtteil Besiktas im europäischen Teil der Metropole liegt.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Terrorakt", der sich gegen die türkischen Sicherheitskräfte und die Menschen in Besiktas gerichtet habe. Die zwei Explosionen unmittelbar nach dem Ende des Fußballspiels hätten offenbar möglichst viele Menschen töten sollen. Die Menschen in Istanbul hätten wieder einmal "das hässliche Gesicht des Terrorismus" miterlebt, der "Werte und Moral mit Füßen tritt".

Ein Video, das in den sozialen Netzwerken häufig geteilt wird, zeigt mutmaßlich die Explosionen, die sich in einem Abstand von rund 30 Sekunden ereignet haben sollen:

"Es war wie die Hölle. Die Flammen machten sich auf den Weg in den Himmel. Ich trank Tee in einem Café nahe der Moschee", sagte eine Putzkraft der Nachrichtenagentur Reuters. "Menschen duckten sich unter Tische, Frauen begannen zu weinen."

Die Explosionen waren mehrere Kilometer weit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt.

Laut dem Fußballklub Bursaspor wurden keine Fans der Mannschaft bei der Explosion verletzt. "Wir wünschen allen Bürgern eine rasche Erholung.", schreibt der Verein auf Twitter:

Unweit des Stadions liegt auch der Taksim-Platz, der lange das Symbol für den Widerstand gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan war.

Das Auswärtige Amt empfahl allen Reisenden in Istanbul, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und sich über Reisehinweise und die Medien über die weitere Lage zu informieren.

ssu/apr/Reuters/dpa/AFP

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