Türkei Mehrere Tote bei Anschlagsserie

Mindestens drei Menschen starben am Nachmittag bei einem Anschlag im Zentrum des Badeorts Antalya. Zuvor waren Bomben in Marmaris und Istanbul explodiert. Zu diesen beiden Anschlägen bekannte sich die kurdische Gruppe "Freiheitsfalken Kurdistans".


Antalya - Bei der Anschlagsserie in den Orten Antalya, Marmaris und Istanbul wurden Sonntag Nacht und am heutigen Montag Dutzende Menschen verletzt. Am schwersten getroffen wurde der Badeort Antalya an der südwestlichen Mittelmeerküste. Hier explodierte die Bombe vor einem Gebäude der Stadtverwaltung gegenüber des belebten Marktes, wie türkische Medien berichteten.

Dabei kamen drei Menschen ums Leben, viele weitere wurden verletzt in Krankenhäuser eingeliefert. Unter ihnen waren auch vier Touristen aus Israel und einer aus Jordanien. Das Auswärtige Amt gab bekannt, dass drei deutsche Urlauber bei dem Anschlag leicht verletzt worden seien, das Krankenhaus aber mittlerweile wieder verlassen konnten. Nach der Detonation in Antalya brach ein Feuer aus, das die Feuerwehr aber schnell unter Kontrolle bekam, wie die türkische Nachrichtenagentur Andolu berichtete. Unter den Verletzten seien viele Frauen und Kinder.

Dem Anschlag in Antalya waren in der Nacht drei Bombenanschläge im südtürkischen Badeort Marmaris vorausgegangen, wo in einem Kleinbus 21 Menschen verletzt wurden, unter ihnen zehn britische Touristen. Fünf weitere Menschen seien bei der Explosion der beiden anderen Bomben verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Dem britischen Außenministerium zufolge erlitten drei Mitglieder der britischen Touristengruppe in dem Bus so schwere Verletzungen, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden mussten. Neun der insgesamt 21 Verletzten hätten die Klinik aber bereits wieder verlassen, sagte der Gouverneur von Marmaris. Antalya und Marmaris sind bei westeuropäische Touristen, Russen und Türken als Urlaubsziel beliebt.

Im Istanbuler Außenbezirk Bagcilar wurden sechs Menschen verwundet, als eine Sprengsatz in der Nähe des Gouverneursbüros explodierte.

Zu den Anschlägen in Marmaris und Istanbul bekannte die kurdische Extremistengruppe "Freiheitsfalken Kurdistans". Die Splittergruppe der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK hat in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Anschläge in türkischen Touristengebieten verübt.

Bekennerschreiben droht ausländischen Touristen

In ihrem Bekennerschreiben im Internet forderten die kurdischen Extremisten alle Ausländer auf, touristischen Gebieten in der Türkei fernzubleiben. Solange sich PKK-Führer Abdullah Öcalan in Gefangenschaft befinde, "werden überall in der Türkei unsere Bomben hochgehen", heißt es darin. Öcalan war vor mehr als sieben Jahren gefasst und nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zu der jüngsten Explosion in Antalya äußerte sich die extremistische Gruppe nicht.

Ein kurdischer Extremist ist Medienberichten zufolge wegen der Planung eines Anschlags festgenommen worden. Der Verdächtige habe in der Hafenstadt Izmir ein Attentat verüben wollen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anatolien. Die Polizei habe weitere Menschen inhaftiert, weil sie dem Mitglied der PKK geholfen haben sollen. Laut Agentur beschlagnahmten die Sicherheitskräfte bei dem Einsatz Sprengstoff.

Das britische Außenministerium warnte vor einer erhöhten Terrorgefahr in der Türkei. "Wir glauben, dass internationale und inländische Terrorgruppen derzeit in der Türkei aktiv sind", hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung. "Weitere Angriffe, auch in Touristengebieten, könnten folgen." In Deutschland gibt es bisher keine Reisewarnung, aber der Reiseveranstalter Thomas Cook erklärte, Kunden mit Abreiseterminen bis Ende Oktober könnten kostenlos auf andere Ziele umbuchen. Auch die Tui bietet kostenlose Umbuchungen für Türkeireisen bis Mitte September an.

An der türkischen Küste wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die PKK wird auch von der Europäischen Union als Terror-Organisation betrachtet. Sie kämpft seit rund 20 Jahren für eine Unabhängigkeit der kurdischen Gebiete im Südosten der Türkei. In den vergangenen Jahren haben aber auch linksextreme und islamistische Gruppen Anschläge in der Türkei verübt.

Im Juli vergangenen Jahres waren bei einer Explosion in einem Kleinbus im Urlaubsort Kusadasi eine britische und eine irische Urlauberin sowie drei weitere Insassen getötet worden. Auch dazu hatten sich die "Freiheitsfalken Kurdistans" bekannt. Vor zwei Tagen wurden bei der Explosion zweier Bomben in der südtürkischen Stadt Adana vier Menschen verletzt.

agö/dpa/AFP/Reuters



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