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06. September 2016, 16:12 Uhr

Interview mit Minister

Türkei beschlagnahmt Videomaterial der Deutschen Welle

Erst gab der türkische Jugendminister der Deutschen Welle ein Interview, dann ließ er das Video offenbar konfiszieren. Was war der Auslöser?

Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic, hat nach Angaben der Deutschen Welle die Aufzeichnung eines Interviews mit ihm konfiszieren lassen. Der Intendant des Senders, Peter Limbourg, verurteilte das Vorgehen als "eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit".

Der Interviewer Michel Friedman habe dem Minister Fragen zum gescheiterten Putsch in der Türkei und den Folgen wie Massenentlassungen und Verhaftungen gestellt. Kilic sei im Verlauf des Interviews auch gebeten worden, einige Zitate von Präsident Erdogan zu diesen Themen zu erläutern. "Nachdem der Minister den Raum verlassen hatte, teilte der Pressesprecher des Ministers überraschend mit, dass die DW das Interview nicht senden dürfe", erklärte der Sender.

Nach Protesten des Deutsche-Welle-Teams in Ankara sei das Videomaterial von Mitarbeitern des Ministeriums konfisziert worden. Das Ministerium in Ankara äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu. Das Interview war für die DW-Sendung "Conflict Zone".

Seit dem Putschversuch sind in der Türkei fast 50.000 Staatsbedienstete unter anderem wegen Unterstützung einer Terrororganisation per Notstandsdekret entlassen worden. Mehr als 20.000 davon arbeiteten im Bildungsministerium und fast 8000 im Polizeidienst, meldete kürzlich die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Im Zusammenhang mit dem Putsch wurden zudem 35 Mitarbeiter von Medienunternehmen zur Fahndung ausgeschrieben.

als/dpa

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