Interview mit Minister Türkei beschlagnahmt Videomaterial der Deutschen Welle

Erst gab der türkische Jugendminister der Deutschen Welle ein Interview, dann ließ er das Video offenbar konfiszieren. Was war der Auslöser?

Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic
Getty Images

Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic


Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic, hat nach Angaben der Deutschen Welle die Aufzeichnung eines Interviews mit ihm konfiszieren lassen. Der Intendant des Senders, Peter Limbourg, verurteilte das Vorgehen als "eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit".

Der Interviewer Michel Friedman habe dem Minister Fragen zum gescheiterten Putsch in der Türkei und den Folgen wie Massenentlassungen und Verhaftungen gestellt. Kilic sei im Verlauf des Interviews auch gebeten worden, einige Zitate von Präsident Erdogan zu diesen Themen zu erläutern. "Nachdem der Minister den Raum verlassen hatte, teilte der Pressesprecher des Ministers überraschend mit, dass die DW das Interview nicht senden dürfe", erklärte der Sender.

Nach Protesten des Deutsche-Welle-Teams in Ankara sei das Videomaterial von Mitarbeitern des Ministeriums konfisziert worden. Das Ministerium in Ankara äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu. Das Interview war für die DW-Sendung "Conflict Zone".

Seit dem Putschversuch sind in der Türkei fast 50.000 Staatsbedienstete unter anderem wegen Unterstützung einer Terrororganisation per Notstandsdekret entlassen worden. Mehr als 20.000 davon arbeiteten im Bildungsministerium und fast 8000 im Polizeidienst, meldete kürzlich die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Im Zusammenhang mit dem Putsch wurden zudem 35 Mitarbeiter von Medienunternehmen zur Fahndung ausgeschrieben.

als/dpa

insgesamt 64 Beiträge
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es-reicht-nun 06.09.2016
1. vielleicht
wäre es gut zu wissen, WAS und WIE denn durch herrn friedmann gefragt wurde!
i.dietz 06.09.2016
2. Der Kuschelkurs
"unserer" Kanzlerin zeigt Früchte (haha). Ihre "Schwäche" provoziert nur den Despoten Erdogan : Aufforderung zu neuen Taten !
Juro vom Koselbruch 06.09.2016
3. Nun mal keine Aufregung
Merkel und Steinmeier werden es schon schaffen, sich auf Wunsch Ankaras auch von diesem Interview zu distanzieren. Auch wenn sie nicht gefragt sind. Die Spur ist noch warm und Erdogan weiß Bescheid.
einwerfer 06.09.2016
4. Das wird ebenfalls
keine Folgen haben, genauso wie die Nicht-Akkreditierung der Journalisten der DW in China beim G20-Gipfel. Und unsere Qualitätsmedien haben ja auch tolle Solidarität mit ihren Kollegen gezeigt, indem sie über den weiteren Verlauf dezent geschwiegen haben. Ich stelle mir gerade den Aufruhr in der deutschen Presse vor, wenn das in Rußland passiert wäre....
fottesfott 06.09.2016
5. spart Reisekosten
wenn ich es recht erinnere ist der avisierte neue Botschafter der Türkei in Berlin Aydin noch nicht akkreditiert und im Amt. Da kann das türkische Außenministerium Reisekosten sparen, man weiß nie wofür man in unruhigen Zeiten das Geld noch braucht...
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