Mutmaßlich kurdische Attacke Sprengsatz tötet zwei türkische Soldaten

Ein neuer Anschlag erschüttert die Türkei: In der Stadt Diyarbakir hat eine Autobombe einen Transporter der Armee in die Luft gesprengt - zwei Soldaten kamen ums Leben.

Das türkische Militär geht weiter hart gegen kurdische Rebellen im Nordirak vor - und die Kurden in der Türkei antworten mit Gewalt. Bei dem jüngsten Zwischenfall in der Stadt Diyarbakir sind zwei Soldaten getötet worden. Zu dem Sprengstoffanschlag hat sich noch niemand bekannt, eine Verbindung zur kurdischen Arbeiterpartei PKK wird jedoch vermutet.

Laut der Nachrichtenagentur AP spielte sich der Angriff so ab: In dem Ort im Südosten der Türkei hatten kurdische Demonstranten eine wichtige Straßenkreuzung blockiert. Die lokalen Behörden forderten Unterstützung durch das Militär an. Als ein Transportfahrzeug mit Personal den Ort der Demo fast erreicht hatte, explodierte dem Bericht zufolge eine Autobombe.

Zudem gab es einen Angriff auf die Polizeistation der Stadt, der in einer Schießerei endete. Verletzt wurde dabei jedoch niemand. Auch hier sind die Täter noch nicht identifiziert, es laufen jedoch zu beiden Vorfällen Ermittlungen.

Am Samstag hatten Kampfjets der türkischen Luftwaffe neben Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auch Lager der PKK beschossen. Unter Feuer gerieten Bunker, Höhlen, Vorratslager und andere "logistische Punkte". Als Reaktion ließ die PKK wissen, dass der 2013 mühsam ausgehandelte Waffenstillstand damit geplatzt sei.

Die Lage in dem Konflikt ist verworren. Lange hatte sich die Türkei aus dem Kampf gegen den IS herausgehalten. Dabei breiteten sich die Terroristen im unmittelbaren Grenzgebiet in Syrien und dem Nordirak aus. Dort stellten sich ihnen vor allem kurdische Einheiten entgegen, auch Ableger der PKK. Diese wird allerdings von den Türken als terroristisch eingestuft.

Am vergangenen Montag kam es in der Grenzstadt Suruc zu einem IS-Attentat mit 32, vornehmlich kurdischen, Todesopfern. Die Kurden werfen der Türkei vor, dieses Blutbad mit ihrer Untätigkeit überhaupt erst möglich gemacht zu haben. Als "Vergeltung" verübten sie in den vergangenen Tagen ihrerseits mehrere tödliche Anschläge. Und nun beschießt Ankaras Luftwaffe die Stellungen der PKK. Türken und Kurden kämpfen also gegen den gemeinsamen Feind IS - aber auch gegeneinander.

USA und von der Leyen kommentieren Eskalation

Unterstützung bekommen die Türken von der US-Regierung. Man verurteile die jüngsten Attacken der PKK, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Türkei habe jedes Recht, sich zu wehren. Allerdings seien der Einsatz gegen den IS und die Angriffe auf die Kurden getrennte Operationen.

In Deutschland hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit ihren Aussagen zu der Entwicklung in der Region einige Kritik ausgelöst. Sie lobte die türkische Attacke gegen den "Islamischen Staat" zunächst ausdrücklich - war aber auf den gleichzeitigen Militärschlag gegen die Kurden nicht eingegangen. Linke und Grüne warfen der Ministerin daraufhin vor, die Lage "naiv" beziehungsweise "zynisch" einzuschätzen.

In der "Bild am Sonntag" versuchte sie nun, den Eindruck der Einseitigkeit zu korrigieren. Die Türkei dürfe laut der Ministerin "den eingeschlagenen Pfad der Versöhnung mit der kurdischen Arbeiterpartei nicht verlassen".

jok/AP/Reuters/dpa