Putschversuch in der Türkei Erdogan verlangt von Obama Auslieferung Gülens

Der türkische Präsident macht Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des Predigers. Gülen hält dagegen: Der Putsch sei womöglich inszeniert gewesen.

Recep Tayyip Erdogan
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Recep Tayyip Erdogan


Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei verlangt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan von den USA die Auslieferung oder Festnahme des Predigers Fethullah Gülen. Erdogan wandte sich mit seiner Forderung direkt an US-Präsident Barack Obama. Wenn die USA und die Türkei tatsächlich strategische Partner seien, müsse Obama handeln, sagte der türkische Präsident bei einer Ansprache vor Anhängern in Istanbul.

Erdogan macht seinen einstigen Verbündeten und heutigen Erzfeind Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der im US-Exil lebende islamische Prediger hat den Vorwurf zurückgewiesen und den Putschversuch von Teilen des Militärs scharf verurteilt.

Gülen hält es für möglich, dass der Putschversuch inszeniert war. Er forderte die Bevölkerung der Türkei auf, eine militärische Intervention nicht in einem positiven Licht zu beurteilen. Eine Demokratie könne nicht durch militärisches Vorgehen erreicht werden, sagte der Prediger vor Reportern in Pennsylvania.

Laut US-Außenminister John Kerry würden die USA einen türkischen Antrag auf Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen prüfen. Bisher sei ein solches Ersuchen jedoch nicht eingegangen.

Wie Kerry laut der "Washington Post" sagte, seien die USA dazu bereit, Ermittlungen zu unterstützen, um herauszufinden, wer den Putschversuch in der Türkei angezettelt hat und woher die Unterstützung kam. Er erwarte, "dass Fragen nach Gülen aufgeworfen werden", zitierte die Zeitung den US-Chefdiplomaten.

"Offensichtlich laden wir die Regierung der Türkei ein, wie wir es immer tun, uns jegliche legitime Beweise vorzulegen, die einer Prüfung standhalten", sagte Kerry der "Washington Post" zufolge. Erneut kritisierte er den Putschversuch und erklärte, dass Wahlen der angemessene Weg seien, Dispute in einer Demokratie beizulegen.

asa/dpa/Reuters

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insgesamt 160 Beiträge
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weltverkehrt 16.07.2016
1.
"Bisher sei ein solches Ersuchen jedoch nicht eingegangen." Vermutlich hat Erdogan das zuständige Personal bereits eingeknastet. Aber Erdogan ist ja kreativ im Ausstellen von Dokumenten.
joes.world 16.07.2016
2. Inschallah!
Inschallah (so Gott will) kommt zwar aus dem Arabischen, ist aber die Sprache des Propheten und des Koran. Und Erdogan ist ein gläubiger Moslem. So ist der Aufstand der Zwerge und dessen - bei den wenigen Beteiligten vorhersehbarer - Zusammenbruch in Erdogans Augen ein "Geschenk Gottes". Ob diesem "Geschenk" nachgeholfen wurde, und wenn von wem - müssen andere beurteilen. In jedem Fall muss dem nationalistisch-islamistischen gläubigem Erdogan, dieser Ausgang wie ein Zeichen Gottes erscheinen. Vielleicht glaubt Erdogan, in seiner ganzen Egozentrik, am Ende sogar selber, ein gesandter Gottes zu sein. Ein neuer Prophet, der das Türkentum groß und mächtig machen kann und seine Türken wie seine Kinder sind, die Europa für den Islam missionieren sollen. Von Gott unterstützt. Inschallah. Verstehen Merkel, Hollande überhaupt, was uns Europäern nun blüht? Dass Erdogan mit jedem weiteren Tag ohne politische Gegenwehr der EU mächtiger werden wird. Und unbeirrbarer in seiner göttlichen Mission. Bei der er alles was er will, für Gottes Willen hält...
pascal3er2 16.07.2016
3. dass Wahlen der angemessene Weg seien
Nichts gelernt der Hr. Kerry. Man kann sowohl Demokraten als auch Diktatoren wie z.B. Hitler direkt wählen. Vorraussetzung dafür ist lediglich eine geistig arme und verwirrte Gesellschaft. Diese haben wir im Prinzip überall. Erdogan ist ein mieser Diktator und Diktatoren müssten notfalls auch mit Gewalt weg. Mit Worten geht nicht, Meinungsfreiheit gibt es ja nichr mehr in der Türkei. Problem: Die Bevölkerung will in der Türkei wirklich ins Mittelalter zurück. Also sollte Erdogan mit dem IS gemeinsame Sachen machen. Aber das macht er mit seinen Glaubensbrüdern ja bereits. Von daher, die Türkei ist am Ende...
freizeitverkaeufer 16.07.2016
4. Der Sultan. ..
....überreizt....freut mich.
mairhanss 16.07.2016
5.
Und Gülen hat recht. Jeder halbwegs intelligente Mensch sieht, dass dieser Putsch von Erdogan inszeniert wurde. Der Spiegel spricht in einem anderen Artikel von Verschwörungstheorien. Seid ihr komplett blind? Und wenn das Militär putschen hätte wollen, dann hätte es das gemacht. Die kemnen sich damit aus. Dieses Schmierentheater ist so durchschaubar....
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