Streit über Ministerauftritte Niederlande warnen Türkeireisende

Der Streit zwischen Den Haag und Ankara ist eskaliert. Die Niederlande verschärfen die offiziellen Warnhinweise für Türkeireisende. In Ankara wurde der niederländische Gesandte einbestellt.

Niederländische Botschaft in Ankara
AFP

Niederländische Botschaft in Ankara


Die niederländische Regierung hat Wahlkampfauftritte mehrerer türkischer Minister verhindert. Ankara reagierte mit Drohungen und Verleumdungen. In Amsterdam und Rotterdam protestierten Hunderte türkischstämmige Menschen gegen die Auftrittsverbote. (Lesen Sie hier eine Chronologie der 24 Stunden des Streits.)

Eine Folge des heftigen Streits zwischen Den Haag und Ankara: Die niederländische Regierung geht offenbar von einer erhöhten Gefahr ihrer Bürger bei Reisen in der Türkei aus und hat die offiziellen Warnhinweise für Türkeireisende verschärft. Ausdrücklich verweist das Außenministerium auf seiner Website auf die diplomatischen Spannungen mit dem Land seit dem Wochenende. Niederländische Touristen werden nun gewarnt, in der Türkei größere Versammlungen von Menschen sowie volle Plätze aufzusuchen. Von Reisen in die Türkei wird aber nicht generell abgeraten.

Außerdem pocht die niederländische Regierung auf eine offizielle Entschuldigung Ankaras. Vor allem die Beschuldigungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der die Niederländer faschistisch und Nazis genannt hatte, müssten vom Tisch, sagte der sozialdemokratische Vizepremier, Lodewijk Asscher, im niederländischen Radio. "Es ist äußerst widerlich, dass ausgerechnet wir - mit unserer Geschichte - als Nazis beschimpft werden."

Mehrere Festnahmen nach Ausschreitungen in Amsterdam

Die neutralen Niederlande waren im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1945 von den Deutschen besetzt. Das Land hatte sehr unter der Besatzung und Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten gelitten. Etwa 104.000 jüdische Niederländer waren deportiert und von den deutschen Nazis ermordet worden

Ankara legte im diplomatischen Streit nach und bestellte den niederländischen Gesandten ein. Die Behandlung der türkischen Minister werde als Bruch des Wiener Abkommens über diplomatische Beziehungen gewertet, hieß es in türkischen Regierungskreisen. Zudem sei der Polizeieinsatz gegen türkische Demonstranten in Rotterdam unverhältnismäßig gewesen.

Die Niederlande hatten Wahlkampfauftritte türkischer Minister untersagt und eine dennoch eingereiste Ministerin aus dem Land gewiesen. In Amsterdam kam es in der Nacht auf Montag zu Unruhen. Sechs Personen seien festgenommen worden, teilte die Polizei am frühen Montagmorgen in Amsterdam mit. Einige Hundert türkischstämmige Niederländer hatten zunächst friedlich in der Stadt dagegen protestiert, dass Wahlkampfauftritte türkischer Minister in den Niederlanden verhindert worden waren.

Gegen 23 Uhr hätten sich rund 250 Demonstranten auf einem Platz im Westen der Stadt versammelt und dort randaliert. Einige Demonstranten hätten die Polizei mit Steinen beworfen. Daraufhin habe die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken eingegriffen. In anderen niederländischen Städten blieb es dagegen ruhig, wie die Polizei mitteilte.

Bereits am Wochenende hatte es Ausschreitungen vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam gegeben. Bei diesen Ausschreitungen hatte die Polizei nach Berichten der Nachrichtenagentur ANP Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Randalierer eingesetzt. Die meisten der mehr als tausend Demonstranten seien friedlich abgezogen.

anr/dpa/Reuters/AP

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