Nach dem Putschversuch Türkei ordnet die Festnahme von 42 Journalisten an

Nach dem gescheiterten Coup in der Türkei setzt die Regierung ihren harten Kurs gegen vermeintliche Gegner fort: Türkische Behörden haben offenbar Haftbefehle gegen 42 Journalisten erlassen.

Außenminister Mevlut Cavusoglu beruft Botschafter ab
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Außenminister Mevlut Cavusoglu beruft Botschafter ab


Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei haben die Behörden nun offenbar die Inhaftierung von Journalisten angeordnet. Das berichtet der Nachrichtensender CNN-Türk. Ob es bereits Festnahmen gab, war zunächst unklar.

Einer der 42 Haftbefehle soll sich laut dem privaten Nachrichtensender NTV gegen die bekannte Kommentatorin und Ex-Parlamentarierin Nazli Ilicak richten. Sie war 2013 wegen kritischer Berichterstattung über einen Korruptionsskandal von der regierungsnahen Zeitung "Sabah" entlassen worden.

Laut der Zeitung "Hürriyet" wurden die Haftbefehle vom Büro des Istanbuler Anti-Terror-Staatsanwalts Irfan Fidan erlassen. Seinen Angaben zufolge hat bereits ein entsprechender Polizeieinsatz begonnen. Die Journalistin Ilicak wurde demnach aber nicht in ihrer Wohnung in Istanbul angetroffen. Sie befinde sich möglicherweise im Urlaub, hieß es.

Regieren per Dekret

Damit setzt sich die Serie von heftigen Reaktionen auf den Putschversuch fort: Bereits am Wochenende hatte der türkische Regierungschef Binali Yildirim erklärt, dass die Präsidentengarde aufgelöst werden solle. Laut Angaben vom Freitag waren Haftbefehle gegen 300 Mitglieder der Präsidentengarde erlassen worden. Nach Informationen des Fernsehsenders CNN-Türk wurden auf dieser Grundlage bereits 283 Mitglieder der Präsidentengarde festgenommen. Die Elitetruppe hat insgesamt bis zu 2500 Mitglieder.

Außerdem kündigte Außenminister Mevlut Cavusoglu an, mehrere Botschafter aus dem Ausland zurück zu rufen. Auch die Entscheidung stehe Zusammenhang mit dem gescheiterten Putsch, sagte der Minister am Montag dem Privatsender Habertürk.

Teile der Armee hatten vor gut einer Woche einen Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gestartet. Der Aufstand wurde schnell niedergeschlagen. Erdogan beschuldigt den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen und seine Anhänger, hinter dem Umsturzversuch zu stehen.

Als Konsequenz verhängte Erdogan am Donnerstag den Ausnahmezustand, sodass er per Dekret unter Umgehung des Parlaments regieren kann. Seit dem Putschversuch wurden rund 60.000 Soldaten, Polizisten, Beamte und Lehrer suspendiert; mehr als 13.000 Menschen wurden festgenommen, knapp 6000 davon befinden sich laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Untersuchungshaft.

vek/Reuters/AFP

insgesamt 127 Beiträge
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cyoulater 25.07.2016
1. Hasnai Kazim
schrieb dazu vor wenigen Tagen hier auf spon: "Vor unseren Augen stirbt dort die Demokratie. Oder was davon noch übrig war. Die Welt schaut zu. Und ich bin traurig, glücklich sein zu müssen, dass ich nicht in der Türkei lebe." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
martin64 25.07.2016
2. Demokratie
Was kann jeder von uns tun, der Demokratie in der Türkei zu helfen?
petra.stein 25.07.2016
3.
schlimm, was dort abgeht. Noch schlimmer ist es, dass es hier zigtausende von Türken gibt, die es immer noch nicht wahr haben wollen, was für ein Mensch dieser Erdogan ist. WIR werden der Lüge bezichtigt, die Presse hier würde lügen usw. Da frag ich mich, warum die Türkei auf Platz 151 liegt bei Pressefreiheit, und Deutschland auf Platz 16.. Angst und Bange wird mir bei dem Gedanken an die Demontstation Sonntag in Köln..wo angeblich 10 000te Erdogan-Anhänger demonstrieren wollen..Und man muss sich nur mal auf FB umhören....schlimm, echt schlimm.
hughw 25.07.2016
4. nicht für Erdogan, sondern gegen das Militär
damit haben die Bürger der Türkei ihre letzte Chance auf einen modernen laizistischen Staat verspielt. Schade. Aber *Erdogans* Türkei zeigt immer mehr, warum sie nicht in die EU gehört.
xyz890 25.07.2016
5.
....und so geht es weiter und weiter. Bald ist die Diktatur perfect und wird tausend Jahre halten. Wieviel Menschen müßen noch verhaftet werden, wieviel Leid muß noch gesehen bevor das türkische Militär dem Ganzen ein Ende setzt und auch die EU Maßnahmen einleitet? Auch den in Deutschland lebenden Türken, Leute mit D/T Staatsbürgerschaft müßen erinnert werden das wir hier in Deutschland eine Demokratie haben und sie sich entscheiden müßen.
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