Türkei Panzerkauf zurückgestellt?

Mitte Juli wollte die Türkei entscheiden, wem sie den Auftrag für die Lieferung von 1000 Kampfpanzern gibt. Doch diese Entscheidung ist offenbar erst einmal verschoben worden. Der angebliche Grund: Die Türkei favorisiert den deutschen Leopard-2-Panzer und will der deutschen Bundesregierung mehr Zeit geben, damit sich die SPD mit dem grünen Koalitionspartner auf eine Lieferung einigen kann.


Istanbul - Wie die Zeitung "Turkish Daily News" am Freitag berichtete, wird die Entscheidung über das Sieben-Milliarden-Dollar-Projekt, um das sich auch die deutsche Rüstungsindustrie bemüht, um mindestens vier Monate verschoben werden. Möglicherweise falle sie erst Anfang kommenden Jahres.

Dem Zeitungsbericht zufolge soll Berlin die Türkei wegen der Streits um die Lieferung gebeten haben, die Entscheidung zu verschieben. Das türkische Außenministerium habe daraufhin dem Sekretariat für Rüstungsindustrie eine Verschiebung empfohlen. Damit soll der deutschen Regierung mehr Zeit gegeben werden, um sich mit dem grünen Koalitionspartner über die Lieferung zu einigen. Trotz massiver Bedenken in den Koalitionsfraktionen hatte der Bundessicherheitsrat im Oktober vergangenen Jahres der Lieferung eines Testpanzers zugestimmt. Die Türkei wird immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Als weiterer Grund für die Verzögerung werden Finanzprobleme genannt. Erst vor wenigen Tagen hatte Ankara auch die Auftragsvergabe für das geplante erste türkische Atomkraftwerk in der Südtürkei - ebenfalls wegen Finanzproblemen - verschoben.

Neben dem Testmodell des deutschen Kampfpanzers stehen Panzer aus den USA, Frankreich und der Ukraine zur Auswahl. Berichten zufolge favorisiere die Türkei aber den deutschen Leopard-2-Panzer.



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