Türkei Polizei fasst mutmaßliche Terroristen

Mehrere mutmaßliche Terroristen sollen in der Türkei gefasst worden sein, die Anschläge auf israelische Schiffe geplant und Synagogen ausgekundschaftet hätten. Bestätigt wurde die Festnahme von zwei Syrern, von denen einer an den Anschlägen von Istanbul 2003 beteiligt gewesen sein soll.


Anti-Terror-Einsatz in der Türkei: Der Syrer Hamed Obysi wird aus dem Gerichtsgebäude geführt
AFP

Anti-Terror-Einsatz in der Türkei: Der Syrer Hamed Obysi wird aus dem Gerichtsgebäude geführt

Istanbul - Nach Angaben des türkischen Nachrichtensenders NTV sollen bei der Polizeiaktion in mehreren türkischen Städten mindestens zehn Verdächtige festgenommen worden sein. Die Gruppe habe Informationen über Synagogen in der Türkei und über israelische Kreuzfahrtschiffe zusammengetragen.

Bestätigt wurde die Festnahme von zwei Syrern, die Kontakt zu al-Qaida haben sollen. Der bereits am Samstag festgenommene Luai Sakra stehe im Verdacht, jene Bomben gebaut zu haben, die bei den Anschlägen auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und eine Filiale der britischen Bank HSBC im November 2003 in Istanbul verwendet worden seien.

Zu den Attentaten, bei denen mehr als 60 Menschen starben, hatte sich al-Qaida bekannt. Bei dem zweiten Verdächtigen handele es sich um Hamed Obysi. Der in der Urlaubshochburg Antalya am Mittelmeer gefasste Mann soll von der Anti-Terror-Polizei in Istanbul vernommen und anschließend auf richterliche Anordnung in Untersuchungshaft geschickt worden sein, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Berichte über weitere Festnahmen dementierte die Polizeiführung in Ankara jedoch. "Die Nachrichten darüber, dass al-Qaida-Mitglieder mit C-4-Sprengsätzen gefangen wurden während sie Anschläge auf mehrere ausländische Schiffe in den südlichen Provinzen planten, sind völlig falsch und offenbaren schlechte Absichten", erklärte die Polizei heute. Bereits am Vortag hatte der Chef des israelischen Stabs zur Terror-Bekämpfung gesagt, die Türkei habe Extremisten mit Verbindungen zu al-Qaida in Gewahrsam genommen.

Seit vergangenem Freitag sind mehrere israelische Kreuzfahrtschiffe mit Ziel Türkei nach Zypern umgeleitet geworden. Sie hatten insgesamt rund 6000 Passagiere an Bord. Israelische Touristen wurden von ihrer Regierung vor Urlaubsreisen an die türkische Mittelmeerküste gewarnt, weil es dort eine "konkrete und sehr ernste Terrorgefahr" gebe.

Die Türkei ist einer der wenigen Staaten mit moslemischer Bevölkerung, die enge Beziehungen zu Israel unterhalten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres reisten 154.000 israelische Touristen in die Türkei, 42 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.



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