Türkei Polizisten sollen Leiche eines Kurden geschändet haben

Türkische Polizisten sollen die Leiche eines getöteten Kurden hinter ihrem Auto geschleift haben. Foto- und Videoaufnahmen sollen die Schändung beweisen. Das Innenministerium spricht von einer Vorsichtsmaßnahme.


Foto- und Videoaufnahmen sorgen in der Türkei für Entsetzen: Darauf soll zu sehen sein, wie türkische Polizisten mit ihrem Auto die Leiche eines getöteten Kurden durch Sirnak schleifen. Während der Fahrt sollen sie den Mann verhöhnt und verflucht haben. Ein solches Verhalten sei nicht hinnehmbar, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu Medienberichten zufolge. Juristische und dienstrechtliche Ermittlungen seien eingeleitet worden.

Im türkischen Kurdengebiet liefern sich türkische Sicherheitskräfte und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK seit Juli Gefechte. Bei dem Toten in Südostanatolien handelt es sich offenbar um einen Schwager einer Parlamentsabgeordneten der Kurdenpartei HDP. Dessen Vorsitzender verbreitete ein angebliches Foto der Leichenschändung bei Twitter. Niemand solle das Foto vergessen, "weil wir es nicht vergessen werden", schrieb Selahattin Demirtas.

Laut der türkischen Zeitung "Hürriyet" teilte das Innenministerium mit, dass die Leiche nach ersten Angaben hinter dem Fahrzeug hergeschleift worden sei. Es habe der Verdacht bestanden, dass sie mit einer Sprengfalle versehen war.

Bei den Auseinandersetzungen zwischen türkischen Sicherheitskräften und Kurden starben in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen. Kurdenvertreter werfen Polizei und Armee vor, beim Kampf gegen die PKK schwere Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Die Regierung dagegen gibt an, das Vorgehen gelte lediglich der Arbeiterpartei, nicht aber kurdischen Zivilisten, und werde unter strikter Beachtung rechtsstaatlicher Regeln geführt.

brk/AFP



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