Türkei Präsident plant Zeichen gegen Kopftuchverbot

Im streng säkularen Staat Türkei ist das Kopftuchverbot in staatlichen Institutionen umstritten. Von höchster Stelle kommt nun ein Signal gegen die strikte Regelung. Nach einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" wird Präsident Gül zu einem Staatsempfang auch Frauen mit Kopftuch einladen.

Türkische Studentinnen bei einer Parade 2009: Kopftuchverbot auf der Kippe
REUTERS

Türkische Studentinnen bei einer Parade 2009: Kopftuchverbot auf der Kippe


Ankara - In der Türkei gilt eigentlich ein Kopftuchverbot in Schulen, Universitäten und Amtsstuben. Doch die strikte Regelung scheint zu bröckeln. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete am Dienstag, Staatspräsident Abdullah Gül werde am Staatsfeiertag am 29. Oktober einen einzigen Empfang geben, zu dem sowohl Frauen ohne Kopfbedeckung als auch Kopftuch tragende Frauen eingeladen würden.

Bisher hatte Gül mit Rücksicht auf die strikt säkularen Militärs am Nationalfeiertag zwei Empfänge gegeben. Bei einem waren Frauen mit Kopftuch eingeladen, beim anderen nicht.

Auch an türkischen Universitäten steht das Kopftuchverbot offenbar vor dem Aus. Denn die Hochschulbehörde des Landes hatte die Regelung mit einem Erlass de facto aufgehoben. Sie will Studentinnen mit islamischem Kopftuch in den Hörsälen dulden.

Gül habe sich erfreut über die Entwicklung gezeigt, sagte der Chef der Hochschulbehörde, Yusuf Ziya Özcan, nach einem Gespräch mit dem Staatsoberhaupt. Auch Güls Frau Hayrünnissa trägt das Kopftuch und durfte deshalb nicht studieren.

Anders als in den vergangenen Jahren wehrt sich auch die Führung der säkularen Oppositionspartei CHP nicht mehr gegen die Kopftuchfreiheit für Studentinnen.

Die islamische Kopfbedeckung ist in öffentlichen Einrichtungen in der Türkei verboten. Insbesondere das Kopftuchverbot an den Unis ist heftig umstritten. Da zwei von drei türkischen Frauen das Kopftuch tragen, werden viele Türkinnen durch das Verbot von der Hochschulbildung ausgeschlossen.

Derzeit streiten sich türkische Regierung und Opposition darüber, wie eine künftige Kopftuchregelung aussehen könnte.

Eingeführt wurde das strikte Verbot nach dem Militärputsch von 1980. Im Februar 2008 hatte das Parlament das Kopftuchverbot mit der Stimmenmehrheit der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP aufgehoben. Danach war es Frauen möglich, auf dem Universitätsgelände ein Kopftuch zu tragen, sofern es unter dem Kinn zusammengebunden wird und nicht das Gesicht verdeckt.

Doch die Regelung hatte nur kurze Zeit Bestand. Bereits fünf Monate nach dem Parlamentsbeschluss hatte das Verfassungsgericht des Landes das Verbot wieder in Kraft gesetzt. Die Richter sahen das Prinzip der Trennung von Staat und Religion verletzt. Die Zulassung des Kopftuchs hatte auch fast zum Verbot der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan durch das Verfassungsgericht geführt.

mmq/AFP



insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
loncaros 12.10.2010
1. t
hurra, das kleine bisschen säkularisierender Fortschritt in der Türkei stirbt gerade weg.
Transmitter, 12.10.2010
2. Türkei in die EU!
Zitat von loncaroshurra, das kleine bisschen säkularisierender Fortschritt in der Türkei stirbt gerade weg.
Ja, die Türken bringen auch "deutschen Schlampen" (nach eigenen Angaben die muslimische 'Begrüssung' an Ministerin Schröder) sicher bald Benimm bei. Die Türkei muss in die EU! Kopftuchzwang für Merkel, von der Leyen und ihre "Girls" im Reichstag. Schon rein optisch ein wahrer Segen!
carolarco 12.10.2010
3. War ja eigentlich nur ne Frage der Zeit...
...aber ging dann ja doch noch schneller als erwartet! Als Naechstes dann : Kopftuchverbot abgeschafft. Dann: Kopftuchzwang in der Oeffentlichkeit.... usw. usw.(siehe Iran.) Das kommt wie das Amen in der Kirche ! Wenn die islamische Tuerkei dann auch noch bald in der EG ist, wird auch Europa "aufgeweicht", langsam aber bestaendig...
eagle1903 12.10.2010
4.
Zitat von loncaroshurra, das kleine bisschen säkularisierender Fortschritt in der Türkei stirbt gerade weg.
2/3 der türkischen Frauen wurde das Recht auf Bildung verwehrt. Sie mögen es Fortschritt nennen, ich nenne es Diskriminierung. Der Hochschulrat hat eine gute Lösung gefunden.
Over the Fence, 12.10.2010
5. Eigentlich ganz gut
Wenn in 10 Jahren alle Türkinnen dank familiärem- und Gruppenzwang wieder schön das Kopftuch tragen, wird es umso leichter, die Türkei aus der EU rauszuhalten. Man sollte nicht vergessen, daß die türkische Regierungspartei keineswegs säkular ist. Das der Schengenraum eines Tages an die Grenze zu Syrien, Irak oder Iran gehen soll, erscheint mir mit jeder solcher Meldungen immer unwahrscheinlicher. Falls doch, ist das der kulturelle Selbstmord für Europa.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.