Nach Putschversuch Erdogan will schnelle Beratungen über Todesstrafe

Vereinzelt haben Putschisten in der Türkei noch am Sonntag Widerstand geleistet. Präsident Erdogan will mit der Opposition über die Wiedereinführung der Todesstrafe verhandeln.

Recep Tayyip Erdogan
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Auch nachdem die türkische Regierung den Putschversuch für gescheitert erklärt hat, ist es vereinzelt noch zu Zusammenstößen gekommen. So haben Putschisten am Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen nach Angaben aus Regierungskreisen noch am Sonntag vorübergehend Widerstand gegen ihre Festnahme geleistet. Regierungstreue Sicherheitskräfte hätten Warnschüsse abgeben müssen, bevor es zu den Festnahmen gekommen sei, hieß es aus Regierungskreisen. Es habe aber keine Schusswechsel gegeben.

Auf der Luftwaffenbasis im zentralanatolischen Konya sei es am Sonntag ebenfalls noch zu Zusammenstößen gekommen. Auch dort sei die Lage aber inzwischen unter Kontrolle. Der Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen liegt auf der asiatischen Seite der Millionenmetropole und hat einen zivilen und einen militärischen Teil.

Derweil hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, bald Beratungen mit der Opposition über eine mögliche Wiedereinführung der Todesstrafe aufzunehmen. Diese sollten bald erfolgen, sagte Erdogan am Sonntag vor Anhängern im Istanbuler Stadtteil Üsküdar.

"Wir sind keine Rächer"

Schon bei vorherigen Reden hatte Erdogan angekündigt, dass sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen werde und gesagt: "In Demokratien kann man die Forderung des Volkes nicht ignorieren." Die Todesstrafe ist in der Türkei seit 1984 nicht mehr vollstreckt und 2004 abgeschafft worden. Am Sonntag mahnte Erdogan jedoch auch: "Wir sind keine Rächer". Der größte Rächer sei Gott.

hpi/dpa/Reuters

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