Kampfjet-Abschuss Erdogan spricht russischer Pilotenfamilie Beileid aus

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets herrschte Eiszeit zwischen Moskau und der Türkei. Jetzt gehen beide Seiten aufeinander zu. Präsident Erdogan bat die Familie des toten Piloten um Verzeihung.

Abschuss des russischen Jets im November 2015
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Abschuss des russischen Jets im November 2015


Russland wollte eine offizielle Entschuldigung, der türkische Präsident reagierte mit einer Kompromiss-Formulierung: Laut einem Sprecher hat Recep Tayyip Erdogan in einem Schreiben bekundet, er wolle die Familie des verstorbenen russischen Piloten darüber informieren, dass er ihren Schmerz teile, und ihr sein "Beileid ausdrücken. Möge sie uns verzeihen."

Vor sieben Monaten hatte die türkische Luftwaffe einen russischen Kampfjet im syrischen Grenzgebiet abgeschossen. Es folgte eine Eiszeit in den Beziehungen der Länder. Mittlerweile gehen beide Seiten wieder aufeinander zu. In seinem Brief habe Erdogan Putin dazu aufgerufen, die "traditionell freundlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Russland wiederherzustellen", hieß es.

"Die Familie des russischen Piloten ist für uns wie eine türkische Familie. Um ihren Schmerz und den erlittenen Verlust zu erleichtern, sind wir zu jeder Initiative bereit", hieß es nach Moskauer Angaben in dem Schreiben.

"Bilaterale Beziehungen verbessern"

Auch gegenüber dem russischen Staat drückte Erdogan sein "tiefes Bedauern über das Vorgefallene" aus, wie er es auch schon früher geäußert hatte. Eine Entschuldigung gegenüber Moskau hatte er stets abgelehnt.

Erdogans Sprecher sagte: "Wir sind erfreut mitzuteilen, dass die Türkei und Russland übereingekommen sind, ohne Verzögerung die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die bilateralen Beziehungen zu verbessern."

Dazu zählt offenbar auch die Anklage gegen einen Verdächtigen, der einen der beiden Piloten des abgeschossenen Flugzeugs am Boden getötet haben soll. Der Mann soll nun vor Gericht gestellt werden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Kreml hatte eine Bestrafung gefordert. Ein türkisches Gericht hatte im Mai jedoch geurteilt, dass es nicht genug Beweise gegen den Verdächtigen gebe.

Die türkische Luftwaffe hatte die russische Maschine abgeschossen, weil diese angeblich kurz den Luftraum der Türkei verletzt hatte. Russland hatte danach Finanzsanktionen verhängt, den Import türkischer Lebensmittel verboten und vor allem den Chartertourismus in die Türkei gestoppt. Russland sei für die Türkei ein Freund und ein strategischer Partner, mit dem der türkische Staat die Beziehungen nicht verderben wolle, schrieb Erdogan nun laut Moskauer Angaben.

In den Jahren vor dem Zwischenfall waren Russland und die Türkei Verbündete. In Syrien stehen die Mächte auf verschiedenen Seiten. Russland unterstützt das Regime in Damaskus. Ankara hingegen verlangt den Rücktritt von Machthaber Baschar al-Assad.

kev/dpa/Reuters

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