Entscheidung im US-Kongress Erdogan nennt Armenien-Resolution "wertlos"

Die USA haben die Morde an den Armeniern als Völkermord eingestuft. Der Protest aus der Türkei folgte prompt. Präsident Erdogan bezeichnete den Genozid-Vorwurf als "die größte Beleidigung unseres Volkes".

Erdogan: "Dieser Beschluss hat keinen Wert"
Presidential Press Service/DPA

Erdogan: "Dieser Beschluss hat keinen Wert"


In einem symbolischen Akt hat das US-Repräsentantenhaus die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord verurteilt. In der Türkei stößt die Resolution auf Empörung. Erst wurde der US-Botschafter in Ankara einbestellt, dann wies Präsident Recep Tayyip Erdogan den Beschluss als "wertlos" zurück.

"Ich wende mich an die amerikanische Öffentlichkeit und den Rest der Welt: Dieser Beschluss hat keinen Wert, wir erkennen ihn nicht an", sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner Partei in Ankara. "Dennoch bedauern wir, dass diese Verleumdung gegen unser Land in einem Parlament eines Landes angenommen wurde. Was ist das für eine Haltung?"

Der Vorwurf des Völkermords sei "die größte Beleidigung unseres Volkes". Das sei ein Schritt, der "allein aus innenpolitischen Erwägungen getroffen" wurde, sagte Erdogan. Dagegen wurde das Votum von der armenischen Regierung als "Schritt zur Wahrheit" begrüßt.

Das US-Repräsentantenhaus hatte am Dienstag mit einer Mehrheit von 405 zu 11 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die erstmals die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1917 als Völkermord bezeichnet. In den vergangenen Jahrzehnten waren immer wieder ähnliche Beschlussvorlagen eingebracht worden, doch hatten sie nie eine Mehrheit erzielt. Das Votum fiel auf den Tag der Republik in der Türkei, bei dem an die Staatsgründung 1923 erinnert wird.

Beschluss könnte Beziehung beider Länder gefährden

Auch das türkische Außenministerium hatte auf die US-Resolution reagiert und sprach von einem "bedeutungslosen politischen Schritt", der sich an die "armenische Lobby und Anti-Türkei-Gruppen" richte. Der Beschluss des Repräsentantenhauses gefährde die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA in Zeiten großer Gefahren für die internationale und regionale Sicherheit.

Zugleich unterstellte Außenminister Mevlut Cavusoglu, der Schritt sei als Antwort auf den türkischen Vorstoß in Syrien zu verstehen.

Als erstes großes europäisches Land hatte Frankreich 2001 die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich offiziell als Völkermord eingestuft. Der Bundestag in Berlin folgte im Juni 2016. Dies löste eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei aus.

asc/AFP/dpa

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