Durchbruch neben Bosporus Erdogan wirbt für eigenen "Panama-Kanal"

45 Kilometer lang, 14 Milliarden Euro teuer: Der türkische Präsident Erdogan forciert im Wahlkampf eines seiner Lieblingsprojekte - einen gigantischen Kanal am Bosporus.

Recep Tayyip Erdogan hat große Pläne: Der türkische Staatschef wirbt im Wahlkampf für den Bau eines 45 Kilometer langen Schifffahrtskanals zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmara-Meer, um den Bosporus zu entlasten.

Zwar warnen Umweltschützer, der riesige Kanal würde die Wasserversorgung von Istanbul gefährden und eines der letzten Waldgebiete nahe der Stadt von der Größe von 20.000 Fußballfeldern zerstören. Doch Erdogan dürfte sich von solchen Bedenken nicht aufhalten lassen.

Seit seinem Amtsantritt vor 15 Jahren hat er die Infrastruktur in der Türkei stark ausgebaut:

  • Allein in Istanbul wurden eine neue Bosporus-Brücke errichtet sowie Bahn- und Straßentunnel unter der Meerenge zwischen Europa und Asien gegraben.
  • Derzeit wird nahe der geplanten Mündung des Kanals am Schwarzen Meer ein riesiger neuer Flughafen errichtet.

Der "Kanal Istanbul" ist aber das bisher ehrgeizigste Projekt Erdogans. Im Wahlkampf wirbt er damit, dass die neue Wasserstraße mit dem Suez- oder dem Panama-Kanal vergleichbar und eine "globale Marke" sein werde, wie der "Guardian " berichtet.

Fünf Jahre Bauzeit

Der Kanal soll den Bosporus entlasten, der eine der meist befahrenen Seestraßen der Welt ist und auf dem es immer wieder zu Schiffsunglücken kommt. Mit einer Kapazität von 160 Schiffen pro Tag würde der neue Kanal auch die Wartezeiten für Schiffe reduzieren, die oft tagelang vor Istanbul ausharren müssen.

Der türkische Sender NTV hatte bereits zu Jahresbeginn berichtet, der Kanal werde Schätzungen zufolge umgerechnet mehr als 14 Milliarden Euro kosten und fünf Jahre Bauzeit beanspruchen.

Ob der Bau tatsächlich je begonnen wird, ist offen. Bei der Wahl in einer Woche muss Erdogan durchaus bangen. Große, auch teure Versprechen gehören seit jeher zu seinem Wahlkampf. Aktuell plagt eine hohe Inflation die türkische Wirtschaft.

Hier lesen Sie Hintergründe zum Wahlkampf und zur Wirtschaftslage in der Türkei.

dop/AFP/dpa
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