Luftangriffe in Nordsyrien Erdogan warnt vor "neuer Migrationswelle"

Zehntausende Menschen fliehen vor den Luftangriffen im Norden Syriens Richtung Türkei. Präsident Erdogan sagte nun, sein Land werde diesen Zustrom nicht allein schultern können - und droht Europa.
Recep Tayyip Erdogan: "Alle europäischen Länder (...) werden die negativen Folgen zu spüren bekommen"

Recep Tayyip Erdogan: "Alle europäischen Länder (...) werden die negativen Folgen zu spüren bekommen"

Foto: Daniel Leal-Olivas/ REUTERS

Angesichts der schweren Luftangriffe in Nordsyrien und Zehntausender fliehender Menschen hat die türkische Staatsführung vor einer "neuen Migrationswelle" in Richtung Europa gewarnt. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Sonntag, mehr als 80.000 Menschen seien durch die Bombardements aus der syrischen Provinz Idlib vertrieben worden und auf dem Weg zur türkischen Grenze. Sein Land werde diesen Zustrom "nicht allein schultern können", und "alle europäischen Länder, insbesondere Griechenland, werden die negativen Folgen zu spüren bekommen".

Es werde "unvermeidlich" zu Szenen wie vor dem 2016 geschlossen Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei kommen, sagte Erdogan. Das Abkommen führte zeitweise zu einem deutlichen Rückgang der Zahl derer, die sich von der Türkei aus auf den Weg nach Europa machten. Es sieht vor, dass Griechenland illegal eingereiste Migranten zurück in die Türkei schicken kann. Im Gegenzug übernimmt die EU andere syrische Flüchtlinge aus der Türkei und unterstützt das Land finanziell bei der Versorgung der Flüchtlinge.

Die Türkei hat nach eigenen Angaben rund 3,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Erdogan verlangt unter Verweis auf die hohe Zahl mehr Unterstützung von der EU und hat damit gedroht, andernfalls die Grenzen Richtung Europa zu öffnen. Er fordert unter anderem mehr Geld sowie Hilfe bei der Einrichtung einer Zone in Nordsyrien, um dort Millionen syrische Flüchtlinge anzusiedeln.

Ende April hatte die syrische Regierung mit Unterstützung Russlands eine große Offensive auf die verbliebenen Rebellengebiete in den Provinzen Hama und Idlib im Nordwesten Syriens gestartet. Seit Anfang Dezember haben Syrien und Russland ihre Luftangriffe auf die Rebellengebiete in Idlib nochmals massiv verstärkt.

Nach jüngsten Angaben des Uno-Nothilfebüros wurden dadurch etwa 60.000 Menschen in die Flucht getrieben, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezifferte ihre Zahl am Samstag auf mindestens 72.000. Eine türkische Regierungsdelegation sollte am Montag nach Russland reisen, um auf ein Ende der Angriffe in Idlib hinzuwirken.

Erdogan hatte jüngst auch angekündigt, sein Engagement in dem Bürgerkriegsland Libyen auszuweiten. Sollte er tatsächlich Soldaten in Tripolis stationieren, würden Ägypten oder die Emirate wohl nachziehen. Experten warnen vor einem zweiten Syrien. Mehr dazu erfahren Sie hier.

aar/dpa/AFP