Türkei Erdogan will auch die freie Wirtschaft "säubern"

Erdogan setzt seinen harten Kurs gegen vermeintliche Regierungsgegner fort. Jetzt will der türkische Staatspräsident die freie Wirtschaft ins Visier nehmen. "Wir werden kein Mitleid haben", sagte er.

Staatspräsident Erdogan
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Staatspräsident Erdogan


Knapp 60.000 Staatsbedienstete hat die türkische Regierung nach dem gescheiterten Putschversuch suspendiert. Etwa 20.000 Lehrer an Privatschulen dürfen nicht mehr unterrichten. Zehntausende Menschen sitzen im Gefängnis. Doch der türkische Präsident spricht nur von "der Spitze des Eisbergs".

Ungeachtet aller Kritik aus der EU will Recep Tayyip Erdogan den Kampf gegen mutmaßliche Regierungsgegner fortsetzen - und hat nun auch die freie Wirtschaft im Visier. Die Gülen-Bewegung sei besonders stark im Wirtschaftssektor vertreten, sagte Erdogan vor den Vorsitzenden von Handelskammern und Börsen in Ankara. Er rief Geschäftsleute auf, auch in diesem Bereich Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers den Behörden zu melden. "Ich sage euch, das kann sogar euer Verwandter sein."

Wer die Bewegung von Fethullah Gülen finanziere, trage nicht weniger Schuld als die Putschisten selber, sagte Erdogan. Der Präsident macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Er kündigte an: "Wir werden kein Mitleid haben." Erdogan betonte: "Wir haben noch keinen Punkt gesetzt, das ist erst das Komma." Es werde kein Nachlassen bei der "Säuberung" der Türkei von Gülen-Anhängern geben. "Das Virus hat sich überall ausgebreitet."

Bislang sind vor allem Staatsbedienstete von den "Säuberungen" betroffen. Nach Regierungsangaben vom Dienstag wurden seit dem Putschversuch Mitte Juli 58.611 Staatsbedienstete suspendiert, weitere 3499 wurden dauerhaft entlassen.

Nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch wurden 25.917 Menschen festgenommen, gegen 13.419 Verdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Die Reisepässe von 74.562 Personen wurden für ungültig erklärt, um die Flucht von Verdächtigen ins Ausland zu verhindern.

kev/AP/dpa/Reuters

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