Erstes Urteil nach Putschversuch Türkische Soldaten zu lebenslanger Haft verurteilt

Im Zusammenhang mit dem vereitelten Putsch in der Türkei ist das erste Urteil gefallen. Ein Gericht verurteilte zwei hochrangige Soldaten zu langen Haftstrafen.

Soldaten ergeben sich auf Bosporusbrücke (Juli 2016)
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Soldaten ergeben sich auf Bosporusbrücke (Juli 2016)


Zwei Soldaten, die an dem Putschversuch in der Türkei beteiligt gewesen sein sollen, müssen dafür lebenslang ins Gefängnis. Das meldet die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu und türkische Medien. Ein Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer an dem Umsturzversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan beteiligt gewesen waren. Demnach machten sie sich des Verfassungsbruchs schuldig.

Es ist das erste Urteil, das im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vom 15. Juli 2016 gefällt wurde. Die Offiziere waren damals im nordöstlichen Erzurum stationiert. Sie bestritten die Vorwürfe vor Gericht.

Seit dem Putschversuch geht die Regierung um Erdogan besonders repressiv gegen ihre Gegner vor. Sie macht den Prediger Fethullah Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Der befindet sich im Exil in den USA.

Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Gülen-Bewegung ordnete die Staatsanwaltschaft in Istanbul am Donnerstag die Festnahme von 380 Geschäftsleuten an. 110 der Verdächtigen befinden sich nach Angaben der Agentur Anadolu im Ausland. Ein Gericht habe außerdem die Durchsuchung der Wohnungen und Büros der Verdächtigen beschlossen.

Mehr als 40.000 Menschen wurden wegen Terrorverdachts oder wegen des Putschversuchs in der Türkei aus ihren Funktionen entfernt und festgenommen. Im Land gilt noch immer der Ausnahmezustand.

In mehreren türkischen Städten laufen derzeit Prozesse gegen mutmaßliche Putschisten. Kritiker werfen der Regierung vor, den gescheiterten Militärputsch als Vorwand zu nutzen, um ihre Gegner zum Schweigen zu bringen.

vks/AFP/Reuters



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