Spionageverdacht Türkei spähte europaweit Gülen-Anhänger aus

Die Türkei ließ offenbar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Berichte über mutmaßliche Gülen-Anhänger erstellen. Nach SPIEGEL-Recherchen ging es auch um Betreiber von Schulen und Kitas.
Präsident Erdogan

Präsident Erdogan

Foto: Yasin Bulbul/ AP

Die Spionageaffäre um die türkische Religionsbehörde reicht über Deutschland hinaus. Nach Informationen des SPIEGEL lieferten Mitarbeiter aus den türkischen Botschaften oder Generalkonsulaten Berichte über Anhänger des Predigers Fethullah Gülen aus weiteren europäischen Staaten nach Ankara, etwa aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien. (Lesen Sie hier die ganze Geschichteim neuen SPIEGEL.)

Den Dokumenten zufolge wurden nicht nur Namen von Personen übermittelt, sondern auch Hinweise auf Schulen, Kitas, Kultur- und Studentenvereine, die angeblich von der Gülen-Bewegung betrieben werden. Die türkische Botschaft in Bern mutmaßte in einem Schreiben an das Präsidium für religiöse Angelegenheiten, "gewaltbereite Aktivisten" der Gülen-Bewegung seien aus der Türkei geflohen und hätten sich in der Schweiz "festgesetzt".

In Deutschland spitzt sich die Affäre um mutmaßliche Spionageaktivitäten durch Imame an Ditib-Moscheen zu. Am vergangenen Mittwoch ließ der Generalbundesanwalt die Wohnungen von vier Ditib-Geistlichen durchsuchen. Er verdächtigt sie der "geheimdienstlichen Agententätigkeit".

Nach SPIEGEL-Informationen sehen sich auch Mitarbeiter deutscher Sicherheitsbehörden zunehmend durch ihre türkischen Kollegen unter Druck gesetzt. Es seien Fälle bekannt, "in denen Entscheidungsträger darum gebeten werden, in Deutschland aktive oppositionelle Gruppierungen einer aktuellen Bewertung zu unterziehen und entsprechende Maßnahmen zu treffen", heißt es in einer vertraulichen Analyse des Bundesamts für Verfassungsschutz.