Putschversuch in der Türkei Staatsanwälte erlassen Haftbefehl gegen 380 Geschäftsleute

Der türkische Staat nennt Anhänger der Gülen-Bewegung Terroristen und geht hart gegen sie vor: 380 Geschäftsleute werden verdächtigt, das Netzwerk des islamischen Predigers Fethullah Gülen mitfinanziert zu haben.

Fethullah Gülen im US-amerikanischen Exil
DPA

Fethullah Gülen im US-amerikanischen Exil


Türkische Staatsanwälte haben Haftbefehl gegen 380 Unternehmer und Geschäftsleute erlassen. Ihnen werde finanzielle Unterstützung des Netzwerks des islamischen Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, berichteten türkische Medien. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden Büros und Privatwohnungen durchsucht.

Um wen es sich bei den Verdächtigen handelt, ist bislang nur in Einzelfällen bekannt: Am Donnerstagmorgen teilte das Medienunternehmen Dogan mit, nach Razzien seien der Chefjustiziar und ein früherer Vorstandschef des Konzerns festgenommen worden.

Bei dem Dogan-Hausjuristen Erem Turgut Yücel und dem Ex-Vorstandvorsitzenden Yahya Üzdiyen wurden ebenfalls Büro und Privatwohnung durchsucht. Den Durchsuchungsbeschluss hatte in diesem Fall der Vize-Generalgeneralstaatsanwalt Ismail Ucar, berichtet die Nachrichtenseite "Internethaber". Dogan selbst und Tochterunternehmen waren dem Konzern zufolge nicht von den Razzien betroffen.

Bislang 120.000 Menschen wegen Putschverdachts entlassen oder verhaftet

Dogan besitzt die Tageszeitung "Hürriyet" und den Fernsehsender CNN Turk. Außerdem gehören der Holding Anteile an Finanz-, Energie- und Tourismusunternehmen. Im Zuge der Ermittlungen zu dem Putschversuch Mitte Juli 2016 war Anfang Dezember bereits der Dogan-Vertreter in Ankara, Barbaros Muratoglu, festgenommen worden. Die Justiz wirft auch ihm Verbindungen zur Bewegung Gülens vor.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan wirft Gülen und seinen Anhängern vor, für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich zu sein. Der Geistliche selbst hat den versuchten Staatsstreich verurteilt und die Verantwortung dafür zurückgewiesen. Präsident Erdogan sieht in der Bewegung Gülens eine Terrororganisation. Bislang sind in der Türkei in Zusammenhang mit Putsch-Ermittlungen über 120.000 Menschen, die meisten davon Beamte, verhaftet oder, im Fall der Staatsdiener, von ihren Posten entfernt worden.

cht/Reuters

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