Wegen angeblicher Gülen-Verbindung Türkei will erneut eigene Soldaten verhaften

Sie sollen die verbotene Gülen-Bewegung unterstützt haben: Die türkische Staatsanwaltschaft hat erneut Haftbefehle für knapp 300 aktive Soldaten beantragt. Schon in den Tagen zuvor gab es Festnahmen.

Militärübung in der Türkei
REUTERS

Militärübung in der Türkei


Der Putschversuch in der Türkei ist zweieinhalb Jahre her, doch noch immer wittert der Staat Gefahr aus den eigenen Reihen: Nun hat die türkische Staatsanwaltschaft die Festnahme von insgesamt 295 aktiven Soldaten beantragt. Sie sollen Kontakt zu der verbotenen Gülen-Bewegung gepflegt haben, so die offizielle Begründung.

Gegen die Offiziere aus Heer, Marine und Luftwaffe wird wegen verdächtiger Telefonate von Festnetztelefonen oder öffentlichen Telefonkabinen ermittelt. Sie sollen auf diese Weise mit Kontaktpersonen in der Bewegung kommuniziert haben.

In den vergangenen Wochen gab es bereits dutzende Festnahmen von aktiven Soldaten wegen solcher Telefonkontakte. Erst am Dienstag wurden 324 Haftbefehle gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger ausgestellt, darunter Dutzende aktive Soldaten. In der Vergangenheit gab es schon häufiger ähnliche Festnahmen.

Für Soldaten, die sich nach dem gescheiterten Putschversuch nach Griechenland abgesetzt hatten, setzte die Türkei vor Kurzem ein Kopfgeld aus. Vier Millionen türkische Lira, umgerechnet rund 670.000 Euro, will der Staat pro ausgeliefertem Soldaten zahlen.

Auch gegen Oppositionelle geht der Staat massiv vor: In der vergangenen Woche hatte ein türkisches Berufungsgericht auch die Urteile gegen frühere Journalisten und Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" bestätigt. Sie müssen mehrere Jahre in Haft.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Seitdem gehen die Behörden massiv gegen angebliche Gülen-Anhänger, aber auch gegen Oppositionelle vor. Seit dem Putschversuch wurden rund 55.000 Menschen inhaftiert und mehr als 140.000 aus dem Staatsdienst entlassen.

lmd/Reuters/AFP



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