Anschlagspläne und Festnahmen Terror und Gewalt überschatten Maifeiertag in der Türkei

In der Türkei verlief der 1. Mai alles andere als friedlich. Im Südosten des Landes gab es Anschläge, in Ankara wurde vor Terror gewarnt, in Istanbul gingen 24.500 Polizisten gegen Demonstranten vor.

AP

Am Tag der Arbeit galten in der Türkei verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. In Istanbul ging die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vor. In Ankara und Adana wurden Kundgebungen wegen erhöhter Anschlagsgefahr abgesagt. Der Südosten des Landes wurde von einer neuen Welle der Gewalt erschüttert.

Die türkischen Behörden hatten Demonstrationen am 1. Maifeiertag auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul verboten und das Areal weiträumig abgeriegelt. Gegen regierungskritische Demonstranten, die dennoch versuchten, auf den symbolträchtigen Platz vorzudringen, ging die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas vor. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, ein 57-Jähriger sei beim Versuch, eine Straße zu überqueren, versehentlich von einem Wasserwerfer angefahren und dabei tödlich verletzt worden.

Rund 24.500 Polizisten, 120 Wasserwerfer und mehrere Hubschrauber sollen in der Bosporus-Metropole im Einsatz gewesen sein. Unter Berufung auf den Gouverneur von Istanbul berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu von 207 Festnahmen.

Auch in der Hauptstadt Ankara fanden Proteste statt. Aufgrund von Anschlagswarnungen wurden jedoch mehrere Kundgebungen abgesagt. Sicherheitskräfte nahmen vier mutmaßliche IS-Anhänger aus Syrien fest. Sie sollen einen Anschlag auf eine Demonstration geplant haben. In Adana soll es ebenfalls Hinweise auf einen drohenden Anschlag gegeben haben. Die Maifeierlichkeiten wurden abgesagt, berichtet die DHA.

Anschläge im Südosten der Türkei

Auch im Südosten des Landes wurde der 1. Mai von einer neuen Welle der Gewalt erschüttert. In der Stadt Gaziantep explodierte eine Autobombe vor dem dortigen Polizeihauptquartier. Anadolu meldete, zwei Polizisten seien bei dem Anschlag ums Leben gekommen. 18 Polizisten und vier Zivilisten seien verletzt worden. Das Gouverneursamt sprach von einem "heimtückischen Angriff".

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In der Region agiert die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die sich zu dem Mord an einem IS-kritischen syrischen Journalisten vor drei Wochen in Gaziantep bekannt hatte. In der Südosttürkei ist zudem die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK aktiv. Der IS und die PKK haben in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge in türkischen Städten verübt.

Bei Operationen gegen die PKK in der Südosttürkei wurden mindestens drei Soldaten getötet. 14 Soldaten seien bei dem Angriff der PKK im Distrikt Nusaybin verletzt worden, teilte die Armee mit. Anadolu berichtete, die Sicherheitskräfte seien in eine Sprengfalle geraten. In Nusaybin liegt ein Schwerpunkt der seit Monaten andauernden Militäroperationen gegen die PKK. Anadolu meldete weiter, in der Grenzstadt Kilis seien erneut Raketen aus Syrien eingeschlagen. Acht Menschen seien verletzt worden.

Bereits am Mittwoch erschütterte ein Selbstmordanschlag die Millionenstadt Bursa im Westen des Landes. Bei dem Attentat sprengte sich eine Frau in der Nähe einer Moschee in die Luft und verletzte dabei mindestens 13 Menschen. Mittlerweile hat sich die militante Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu der Tat bekannt.

asc/dpa/AFP/Reuters

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