Anschlag in der Türkei USA und Europa versprechen Erdogan Unterstützung im Kampf gegen Terror

"Schändlicher Anschlag", "grauenvoller Angriff": Politiker aus aller Welt verurteilen das Attentat auf eine Hochzeitsfeier im türkischen Gaziantep. Dort wurden 51 Menschen getötet, Dutzende verletzt.

Trauerfeier für Terroropfer in Gaziantep
AFP

Trauerfeier für Terroropfer in Gaziantep


Die USA und Europa haben der türkischen Regierung ihre Solidarität im Kampf gegen den Terror erklärt. "Wir stehen bei der Verteidigung der Demokratie gegen alle Arten von Terrorismus an der Seite des türkischen Volkes", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price.

Er reagierte damit auf den Terroranschlag auf eine kurdische Hochzeitsfeier in der südosttürkischen Stadt Gaziantep. Bei der verheerenden Explosion wurden mindestens 51 Menschen getötet und 69 weitere verletzt. Nach Angaben von Staatschef Recep Tayyip Erdogan soll ein Kind im Alter zwischen 12 und 14 Jahren den Anschlag verübt haben. Noch ist unklar, ob sich das Kind selbst in die Luft gesprengt hat oder ob der Sprengsatz per Fernzünder ausgelöst worden war.

In einem Kondolenztelegramm an Ministerpräsident Binali Yildirim drückte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Mitgefühl und Beileid aus. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "grauenvollen Angriff". Der französische Präsident François Hollande verurteilte den "schändlichen Anschlag".

Auch die EU-Kommission und die Nato sicherten der Regierung in Ankara am Sonntag Solidarität zu. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte in Brüssel: "Wir stehen in dieser schwierigen Zeit in Solidarität vereint mit unseren türkischen Verbündeten."

Joe Biden reist in die Türkei

Am Mittwoch wird US-Vizepräsident Joe Biden zu einem schon länger geplanten Besuch in die Türkei reisen. Er werde bei dem Termin bekräftigen, "dass wir der Zusammenarbeit mit der Türkei, unserem geschätzten Nato-Partner und Verbündeten verpflichtet sind", teilte die US-Regierung mit.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert. Fethullah Gülen, der islamische Prediger, den Erdogan für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich macht, lebt im US-Bundesstaat Pennsylvania. Einige Politiker der Regierungspartei AKP machen daher die USA für den Umsturzversuch mitverantwortlich.

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag von Gaziantep bekannt. Erdogan sagte jedoch, erste Hinweise deuteten darauf hin, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) Drahtzieher war. Der IS wird für zahlreiche Anschläge in der Türkei in den vergangenen Monaten verantwortlich gemacht - bislang hat sich die Miliz aber noch zu keinem Terrorangriff auf türkischem Boden bekannt.

Braut und Bräutigam waren Mitglieder der prokurdischen Oppositionspartei HDP, die von der Regierung als parlamentarischer Arm der verbotenen PKK betrachtet wird.

Erdogan sagte, die Urheber des Anschlags versuchten, das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie "ethnische und religiöse Empfindlichkeiten" für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der Gülen-Bewegung und dem IS.

syd/dpa

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