Streit über Nordsyrien Erdogan droht mit Militäroffensive - und ruft die USA auf den Plan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will seine Truppen in Nordsyrien vorrücken lassen. US-Verteidigungsminister Mark Esper warnt Ankara jedoch davor, die Kurden in dem Gebiet anzugreifen.
Türkische Soldaten an der syrischen Grenze: Erdogan hat eine weitere Offensive angekündigt

Türkische Soldaten an der syrischen Grenze: Erdogan hat eine weitere Offensive angekündigt

Foto: Khalil Ashawi/ REUTERS

Bereits seit Längerem fordert die Türkei die Errichtung einer Sicherheitszone an der nordsyrischen Grenze. Bislang blieben Verhandlungen mit den USA, die die Lufthoheit in dem von Kurden kontrollierten Gebiet haben, jedoch ohne Ergebnis. Nun könnte die Situation an der syrisch-türkischen Grenze eskalieren.

Bereits am Wochenende hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Militäroffensive in Nordsyrien angekündigt. Die Türkei werde östlich des Flusses Euphrat einmarschieren. Man habe Russland und die USA über den Plan informiert. Die Geduld der Türkei gehe zu Ende.

Als Reaktion darauf hatten die USA eine Delegation nach Ankara geschickt, um erneut die Errichtung einer Pufferzone zu diskutieren. Seit Montag laufen türkischen und US-Medien zufolge in der türkischen Hauptstadt die Gespräche. Geht es nach Ankara, soll die Sicherheitszone um die 30 Kilometer breit sein und sich ab dem Euphrat gen Osten die gesamte Grenzlinie entlangziehen. US-Medienberichten zufolge schlagen die USA eine etwa halb so breite Zone vor. Streit gibt es auch in der Frage, wer das Gebiet kontrollieren soll.

Derzeit herrscht in dem Gebiet die Kurdenmiliz YPG. Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Für die USA ist die YPG dagegen ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Sie wollen einen Angriff auf die Verbündeten verhindern.

USA will verbündete Kurden schützen

Während der laufenden Verhandlungen warnte der neue US-Verteidigungsminister Mark Esper die Türkei vor einem Angriff auf die kurdische Miliz. "Ein einseitiges Vorgehen (der türkischen Armee) wäre inakzeptabel", sagte Esper während einer Asienreise. Die US-Regierung versuche, eine Einigung mit der Türkei zu finden, in der die Sorgen Ankaras Berücksichtigung fänden.

Erdogan hat seine Drohung derweil wiederholt. Vor türkischen Botschaftern sagte er in Ankara: "Es ist unsere höchste Priorität, den Terror-Sumpf in Nordsyrien auszutrocknen." Der Prozess, der mit zwei vorherigen türkischen Offensiven in Nordsyrien begonnen habe, werde "sehr bald" in eine "neue Phase" gehen.

Die Türkei ist schon zweimal auf syrisches Gebiet vorgerückt, beide Male westlich des Euphrat. 2016 hatte sie mit der Offensive "Schutzschild Euphrat" beim syrischen Ort Dscharabulus den IS von der Grenze vertrieben, aber auch die YPG bekämpft. Anfang 2018 hatten von der türkischen Armee unterstützte Rebellen in einer Offensive gegen die YPG die kurdisch geprägte Grenzregion Afrin eingenommen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde US-Verteidigungsminister Mark Esper an einer Stelle als Außenminister bezeichnet. Wir haben die Stelle korrigiert.

asc/dpa/AFP
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