Proteste und Schießereien Tote und Verletzte bei Wahl in der Türkei

Bei den Kommunalwahlen in der Türkei ist es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen. Mindestens acht Menschen wurden bei Schusswechseln getötet, es gab mehrere Verletzte. Inzwischen werden die Stimmen ausgezählt, es geht um die politische Zukunft von Premier Erdogan.

Ankara - Bei Protesten während der Kommunalwahl in der Türkei sind im Süden und Südosten des Landes mindestens acht Menschen getötet worden. In den Ortschaften Gölbasi (Provinz Hatay) und Yuvacik (Provinz Sanliurfa) seien Angehörige verschiedener Kandidaten aneinandergeraten, berichten türkische TV-Sender. Sicherheitskräften zufolge kamen die Opfer bei Schießereien ums Leben. Mindestens 14 Menschen seien verletzt worden.

Zu Protesten kam es auch in einem Wahllokal in Istanbul. Zwei Femen-Aktivistinnen haben dort gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan demonstriert: Die beiden jungen Frauen sprangen auf einen Tisch, auf ihren nackten Oberkörpern stand "Verbietet Erdogan" geschrieben. Beide wurden festgenommen.

Knapp 53 Millionen Menschen waren am Sonntag in den 81 Provinzen des Landes aufgerufen, über Bürgermeister und örtliche Parlamente abzustimmen. Um 17 Uhr schlossen die Wahllokale, vereinzelt können noch bis 19 Uhr Stimmen abgegeben werden. Mit ersten Ergebnissen wird noch am Abend gerechnet.

Die Kommunalwahlen gelten als Stimmungstest für den unter Druck geratenen Erdogan, der sich im August nach mehr als zehn Jahren an der Regierungsspitze zum Staatspräsidenten wählen lassen will. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) versucht, Erdogans Regierungspartei AKP die Bürgermeisterämter in Istanbul und Ankara abzunehmen. Bei der Parlamentswahl im Juni 2011 hatte die AKP fast 50 Prozent der Stimmen erhalten. Bei den Kommunalwahlen 2009 waren es knapp 39 Prozent gewesen.

In den vergangenen Monaten gab es einen ungewöhnlich scharf geführten Wahlkampf, bei dem es unter anderem um Korruptionsskandale und Vorwürfe des Machtmissbrauchs der islamisch-konservativen Regierung ging. Mit drastischen Maßnahmen gegen echte oder vermeintliche Gegner aus dem eigenen religiös-konservativen Lager war Erdogan zuletzt auch international in die Kritik geraten.

aar/Reuters/dpa
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